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Ein echter Baukasten: ARCUS TALENT - der Thermiksegler von robbe Modellsport

von Michael Roth vom 10. September 2012
Artikel-ID: 20120910-FM-01 Rubrik: Flächenmodelle

In Kürze gesagt: Endlich wieder mal was zum Bauen! Und tatsächlich, denn der ARCUS TALENT von robbe Modellsport entsteht aus einem echten Bausatz, den die meisten der Neueinsteiger im Zeitalter von ARF und RTF so sicherlich bisher nicht zu Gesicht bekommen haben. Im Baukasten – jetzt darf man dieses Wort wieder einmal zu Recht verwenden – findet man jede Menge Holzbrettchen, ein paar Holzleisten und CFK-Rohre. Ein großer Bauplan und eine umfangreiche Bauanleitung, selbstverständlich in deutscher Sprache, runden den Lieferumfang ab. Michael Roth hat sich für uns den ARCUS TALENT von robbe Modellsport angeschaut und die Spanten zu einem Segler zusammengeklebt.


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Ein echter Baukasten: Der ARCUS TALENT, der Thermiksegler von robbe ModellsportTrotz Baukasten kann beim ARCUS TALENT von robbe Modellsport (http://www.robbe.com) auf Werkzeug wie Säge oder Hammer getrost verzichtet werden. Denn alle Rippen, Spanten und weitere zur Fertigstellung benötigte Komponenten sind sehr fein und sauber mit dem Laser exakt geschnitten. Auch fast alle anderen Holzteile, wie zum Beispiel die Seitenwände und der Deckel des Rumpfes, die Leitwerksteile, die Endleiste und vieles mehr liegen fein säuberlich lasergeschnitten bei. Das ist mitunter auch einer der Gründe, warum ich das Modell bzw. den Bausatz auch einem „ungeübten Modellbauer“ durchaus empfehlen kann. Da keinerlei Nacharbeit an den gelieferten Teilen notwendig ist und alles tatsächlich bestens auf Passgenauigkeit durch den Hersteller vorgearbeitet ist, kann beim Bau fast nichts schief gehen. Auch für den geübten Modellbauer ist der Aufbau  des Modells ein echter Genuss und geht schnell von der Hand. Für den gesamten Bau bis zum flugfertigen Modell habe ich weniger als 24 Stunden benötigt. Allerdings ist es, wie immer, notwendig und vor allem auch sinnvoll, die Bauanleitung als auch den Bauplan vorab intensiv zu studieren und sich auch eine Baugruppe komplett anzusehen, bevor man den ersten Leimtropfen vergießt.

Zu Beginn ist etwas Fleißarbeit angesagt: Bei allen Teilen gilt es, einen oder mehrere kleine Stege zu durchtrennen, bevor man sie dem Trägerbrettchen entnehmen kann. Mit einem kleinen Cuttermesser oder einem Skalpell geht das allerdings sehr einfach. Ein Nachschleifen ist nicht notwendig.

Für das Zusammenleimen habe ich entsprechend der Bauanleitung weitestgehend dünnflüssigen Sekundenkleber verwendet. Nur dort, wo vor dem Zusammenfügen der Holzteile größere Flächen mit Leim einzustreichen waren, habe ich auf Weißleim zurückgegriffen. So zum Beispiel beim Aufbringen der oberen Endleisten-Beplankung. Wie schon gesagt, die Teile passen sehr genau und davon konnte ich mich nochmals bei der Endmontage des Tragflächenmittelteils überzeugen. Wenn dieses Bauteil vollständig fertig gestellt ist, müssen als einer der letzten Schritte zwei nur 3 Millimeter dicke CFK-Röhrchen durch 36 Rippen gesteckt werden. Aufgrund der hervorragenden Passgenauigkeit aller Teile rutschen diese Röhrchen einwandfrei an ihre Position. Auch diese CFK-Röhrchen, genauso wie die CFK-Nasenleiste und das dicke CFK-Rohr, welches später als Hauptholm dient, werden mit Sekundenkleber verklebt. Einzig die Montage der Motorspante war etwas kniffelig. Daher mein Tipp: Insbesondere hier bitte unbedingt genau auf den Plan und die Bauanleitung achten.

Ein echter Baukasten: Der ARCUS TALENT, der Thermiksegler von robbe ModellsportIst der Rohbau beendet, sollte man trotz passabler Oberfläche die Tragflächen-Teile noch mit einem Schleifklotz einmal leicht überschleifen bevor die Bespannung aufgebracht wird. Beim Rumpf des ARCUS TALENT ist etwas mehr Schleifarbeit erforderlich, denn alle vier Kanten und die Rumpfspitze zum Motorspant hin müssen sauber verrundet werden. Danach sollte der Servoeinbau in den Tragflächen erfolgen. Solange die Flächen nicht mit Folie bespannt sind, kommt man über all noch gut dran. Ich habe mir den Luxus einer S.BUS-Verkabelung in den Tragflächen geleistet. Leider passen die von robbe angebotenen Längen der HUB- und Verlängerungskabel nicht wirklich gut zu den Gegebenheiten im ARCUS TALENT. So musste ich das HUB2-Kabel mit 30 Zentimetern Länge bis über den Servoschacht hinaus führen. Nur dann passt ein 20-Zentimeter-Verlängerungskabel bis zur Anschlussrippe. Das hat folgenden Vorteil: Die Kabel sehen nun hinter der durchsichtigen Bespannung einigermaßen aufgeräumt aus. Aber auch einen Nachteil: Um im Fall der Fälle an die Steckverbindung der Servos zu kommen, muss in dem entsprechenden Rippenfeld später die Folie aufgeschnitten werden. Die Rohbau-Tragflächen haben eine hohe Stabilität und Verdreh-Steifigkeit. Deshalb ist das Bespannen mit Bügelfolie sehr einfach. Besonders elegant sehen die Tragflächen aus, wenn man dazu eine durchsichtige Folie verwendet, denn dann sieht man die CFK-Rohre und keine Beplankung versperrt die Sicht in die Fläche. Selbstverständlich ist aber auch die Verwendung einer Folie mit deckender Farbe möglich.

 

Im Testmodell verbaute Komponenten:

• Roxxy BL Outrunner 3548/06
• Klappluftschraube 12,5 x 6,5
• Spinner AluD44/5,0
• Roxxy BL Control 930
• Roxxy-Power ZX 3S 2.200 mAh 25C

 

  • 1x Empfänger R6308SBT
• 6x Servo S3171SB
• 3x S.BUS HUB-2-Kabel, 300 mm
• 4x Verlängerungskabel 200 mm

Als Servos kamen bei meinem ARCUS TALENT die robbe/FUTABA S7131SB zum Einsatz. Sicherlich sind sie für diesen Flieger etwas überdimensioniert, ich denke jedoch, sie haben dennoch auch hier ihre Vorteile. Zum Beispiel lassen sich die Landeklappen sehr weit nach unten ausfahren. Aufgrund des hohen Rumpfes haben sie zwar in der Regel keinen direkten Bodenkontakt, bei hohem Gras lässt sich dies jedoch nicht immer vermeiden. Außerdem lassen sich die Landeklappen um nahezu 90° ausfahren, womit senkrechte Abstiege möglich sind. Für beide Fälle ist ein robustes Servo also durchaus sinnvoll. Und noch ein wichtiger Hinweis für die Montage: Aufpassen, in den Landeklappen werden die Ruderhörner „verkehrt herum“ eingebaut, also nach hinten verdreht.

Beim Antrieb habe ich mich ganz an die robbe-Empfehlung gehalten. Der Motor ist ein bewährter Roxxy BL Outrunner 3548/06. Dieser passt äußerst knapp in die Rumpfspitze. Genügend Platz hingegen hat der Regler, ein Roxxy BL Control 930. Der von robbe empfohlene Klapp-Propeller mit 12,5 × 6,5 verleiht dem Modell einen moderaten Steigflug. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, hier könnte es ein klein wenig mehr sein. Mit einem 14 × 6 Propeller ist dann schon etwas mehr Durchzug vorhanden. robbe empfiehlt einen 3S-Akku mit 3.300 mAh Kapazität. Für mein Modell war dieser Akku zu schwer, da ich den Schwerpunkt nicht weit genug nach hinten verlegen konnte. Ich verwende stattdessen einen 3-zelligen Lipo mit der gängigen Größe um 2.200 mAh. Damit erreiche ich eine Motorlaufzeit von etwa fünf Minuten, was vollkommen ausreichend ist. Apropos Gewicht: Auch hier habe ich die Katalogangabe von 1.950 Gramm bei Weitem nicht erreicht. Mein Modell wiegt 1.620 Gramm. Selbst mit dem von robbe Modellsport empfohlenen 3.300er Akku kämen nur 80 Gramm Gewicht dazu und das Gesamtmodell würde immer noch 250 Gramm weniger wiegen als die Katalogangabe des Herstellers. Das ist doch mal eine erfreuliche Abweichung und tut einem Thermiksegler gut.

EinDie sonst wirklich umfangreiche Bauanleitung sagt zwar, wo der Schwerpunkt hin soll. Leider sind jedoch keine Angaben zu den Ruderausschlägen zu finden. Ich habe daher folgende Werte ermittelt: Höhenruder +/- 13 mm, Seitenruder +/- 20 mm, Querruder + 15 mm und - 7 mm.

Beim Fliegen gab es erwartungsgemäß keine Überraschung und selbst eine  Korrektur der Rudereinstellungen war nachträglich nicht notwendig. Nach vier, fünf Flügen war der Schwerpunkt „erflogen“. Ab dann zeigte der ARCUS TALENT was er kann: Thermik suchen, finden und nutzen. Das Modell hat einen ruhigen Geradeauslauf. Dafür sorgt der relativ lange Rumpf. Beim Kreisen in der Thermik muss das Modell nur wenig gestützt werden. Besonderen Spaß machen Abendflüge, wenn es fast windstill geworden ist und man auf die Suche nach den letzten Aufwinden des Tages gehen kann – zum Beispiel nach einem heißen Tag über einem Wald. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass man das Modell nicht bei Wind fliegen kann. Klar reagiert ein so leichter Flieger wie der ARCUS TALENT auf Turbulenzen. Dank der guten Steuerwirkung lassen sich diese auf jeden Fall aussteuern. Auch verträgt der Talent einen Looping oder Rollen, dennoch ist es kein Kunstflugmodell. Und vor allem sollte er nicht allzu schnell geflogen werden. Mit gesetzten Landeklappen sind wie schon erwähnt senkrechte Abstiege möglich, wenn man es einmal mit dem Thermik-Kurbeln übertrieben haben sollte.

 

Fazit:

Der ARCUS TALENT ist in erster Linie ein ideales Segelflugmodell für erfahrene Modellpiloten, die gerne einmal wieder bauen. Aber auch Einsteiger, die das erste mal einen Baukasten in der Art in den Händen halten, kommen schnell klar. Der Bau geht leicht von der Hand und macht dank ausführlicher und umfangreicher Anleitung richtig Spaß. Belohnt wird man mit einem exzellenten Thermiksegler, der auch genügend Gleitleistung mitbringt, um von Bart zu Bart zu „hüpfen“. Beobachter sind immer wieder fasziniert vom ruhigen Flugbild und dem interessanten Aufbau der Tragfläche, der unter einer transparenten Bespannung bestens zur Geltung kommt.

Pfeil rotDen robbe ARCUS TALENT auf der Internetseite des Herstellers anschauen

 

 

Technische Daten:

• Spannweite: 2.600 mm
• Länge: 1.470 mm
• Gewicht: 1.620 g (Testmodell inkl. Akku)
• Gesamtflächeninhalt: 54,8 dm2
• Tragflächenbelastung: 29,6 g/dm2

 

RC-Funktionen

• Höhenruder
• Seitenruder
• Querruder
• Wölbklappen
• Motorregelung

 

Wo kaufen?

Bezug: Fachhandel
Preis: 169,90 Euro (UVP)

 

 

 

 

Gut

• Endlich wieder ein Baukasten
• Bauteile sehr passgenau gelasert
• Gute Thermikeigenschaften

 

Weniger gut

• Bauanleitung teilweise etwas "oberflächig"
• Platz für den empfohlenen Motor sehr knapp
• Nicht als reines Segelflugmodell lieferbar

 

Kontaktdaten des Herstellers:

robbe Modellsport
Metzloser Straße 38
36355 Grebenhain
Telefon: +496644/870
Fax: +496644/7412
Email: office@robbe.com
Internet: http://www.robbe.com

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.3 (10 Bewertungen)

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