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Test: AirAce StaBee - 3-Achs-Stabilisator für Flächenmodelle von ACME

von Stephan Weinhard vom 1. September 2011
Artikel-ID: 20110901-FM-01 Rubrik: Magazin

Flugstabilisierungssystem für Flächenflugmodelle fristen in der Modellbauszene eher ein Schattendasein und waren wegen ihres Preises und der komplexen Funktion bislang nur Spezialisten vorbehalten. ACME bietet seit kurzem sein StaBee 3-Achs-Stabilisierungssystem für Flugmodell für erstaunliche 139,00 Euro an. Wir wollen wissen ob das StaBee das Zeug dazu hat, das Mauerblümchen-Dasein dieser Systeme zu beenden.

 

 

Test: Strommesszange TESTBOY TV 218Bislang war ich immer der Meinung, dass Gyroskope und Stabilisierungssysteme in Flächenflugmodellen eher überflüssig sind. Trotzdem: Eine Art Rettungsfunktion für das Flugmodell, wenn man sich wieder böse verknüppelt, hat seinen Reiz. Auch als Unterstützung zum Erlernen komplexer Kunstflugmanöver, die man einfach nicht in den Kopf bekommt, wäre hin und wieder ein kleiner Helfer wünschenswert. Darüber hinaus könnte der Einsteiger in dieses Hobby viel angstfreier Lernerfolge erzielen, da im Notfall das StaBee (Internetseite des Herstellers besuchen) die sichere Kontrolle übernehmen und das Modell in eine stabile Fluglage bringen soll.

Zusätzlich gibt es eine sehr junge Modellflugsparte, für die eine automatische Fluglagestabilisierung von großem Nutzen sein kann: Ich denke hierbei an die FPV-Community (First Person View).Gerade in diesem Segment, bei dem der Pilot das Modell mit Videobrille fliegt, ist die Fluglage manchmal sehr schwer zu erkennen. Hier sind Stabilisierungssysteme viel stärker verbreitet als in klassischen Modellflugzeugen.

 

Lieferumfang und Funktion

Der Lieferumfang konzentriert sich auf das Wesentliche: In einer kleinen Klarsichtbox liegt das Gerät gut geschützt mit einer Größe einen Empfängers (55 x 33 x 20 mm). Das Gewicht: Gerade einmal 20 Gramm. Zusätzlich liegen die benötigten Anschlusskabel, eine vibrationsabsorbierenden Platte, Klebepads und eine deutschsprachige Anleitung mit bei. Also alles was zum Betrieb benötigt wird! Das StaBee bietet eine Stabilisierung im Flug über 3 Achsen (Höhe, Seite, Quer). Das Funktionsprinzip basiert dabei auf einem 3-Achs Gyroskop und einem 3-Achs Beschleunigungssensor. Das erlaubt dem StaBee nicht nur seine Lage im Raum genau bestimmen zu können, sondern auch die aktuelle Veränderungsgeschwindigkeit zu erfassen. Diese Informationen werden kontinuierlich ausgewertet um so die richtigen Impulse an die verschiedenen Servos zur Stabilisierung des Modells zu berechnen. 

Das StaBee unterstützt insgesamt drei verschiedene Betriebsmodi, welche über einen gesonderten freien Kanal am Empfänger durch den Piloten jeweils im Flug eingeschaltet werden können:

Mode 1:
AUS – Die Steuerung des Modells ist ganz normal, das StaBee greift zu keinem Zeitpunkt ein.

Mode 2:
Acro/3D – Stabilisierung unter Erhaltung der zuletzt gesteuerten Fluglage. Die RC-Steuerausschläge sind unbegrenzt und jederzeit vom Piloten zu übersteuern.

Mode 3:
Stabilisierung – Das Modell wird automatisch in eine horizontale Fluglage gesteuert, sobald die Steuerknüppel losgelassen werden. Auch im automatischen Stabilisierungsmode können alle Ruder gesteuert werden, aber eben nur bis zu gewissen Grenzen. Rollen oder gar Kunstflug sind in diesem Mode nicht möglich.

Neben der  klassischen Leitwerksanordnungen mit Quer-, Seiten- und Höhenruder, unterstützt das ACME StaBee auch Delta-Konfigurationen und Modelle mit V-Leitwerke. Selbst der Betrieb an 2-Achs Modellen ist möglich. Zu beachten ist, dass das StaBee nicht den Gaskanal beeinflusst. Einen Strömungsabriss wegen zu geringer Geschwindigkeit kann der Helfer also nicht verhindern. Insofern muss der Pilot sein Modell weiterhin - zumindest über den Gaskanal - aktiv weiter steuern.

 

Test: Strommesszange TESTBOY TV 218

Für welches Modell?

Leider unterstützt das ACME StaBee nur ein einzelnes Querruder-Servo. Wer also ein Modell mit zwei Querruder-Servos einsetzten möchte, muss beide Servos zwingend mit einem Y-Kabel verbinden und die Querruderanlenkungen absolut exakt mechanisch einstellen. Denkbar wäre auch der Einsatz eines "intelligentes" Y-Kabel, welches eine entsprechende Rudermitteneinstellung und Servolaufrichtung jedes einzelnen Servos ermöglicht. Ein Gyro ist sehr empfindlich gegen Vibrationen, so auch das StaBee. Um Vibrationen vom Modell zum Gerät zu dämpfen, legt der Hersteller eine gummigelagerte Halterung in den Lieferumfang. Während der Tests mit meinen Elektromodellen, zeigten schon kleinste Vibrationen am Modell deutliche Auswirkung auf die Ruder und somit die Funktion. Bereits ein leicht unwuchtiger Propeller kann dem StaBee Probleme bereiten und die Servos beginnen - sobald der Motor eine bestimmte Drehzahl erreichte - unmotiviert zu zucken. Aus diesem Grunde halte ich die Verwendung in Verbrennermodellen für problematisch. Mir stand jedenfalls kein Modell mit Verbrennungsmotor zur Verfügung, das auch nur annähernd den Anforderungen an Vibrationsfestigkeit gerecht werden konnte. Meine Tests habe ich daher ausschließlich mit Elektromodellen mit einer Spannweite bis 1.400 Millimetern durchgeführt.

Der wesentliche Einsatzbereich des ACME StaBee liegt aufgrund des fehlenden zweiten Querruder-Anschlusses und der systembedingen Vibrationsempfindlichkeit somit sicherlich bei kleinen bis mittleren Elektromodellen. Ideal also für Einsteiger und ideal für FPV-Freaks.

 

Der Einbau

Bereits die Anleitung weist darauf hin, dass der Einbau Erfahrung mit Flugmodellen und Einstellung der Fernsteuerung voraussetzt. Ein Einsteiger sollte sich also unbedingt Unterstützung eines erfahrenen Modellbauers und Piloten einholen. Das ACME StaBee muss in einer bestimmten Einbaulage im Modell montiert sein, damit es einwandfrei funktioniert. Dabei muss es in allen drei Achsen absolut präzise eingebaut sein und in der exakten Ausrichtung zur jeweiligen Modellachse stehen. Ein schräger Einbau oder auch eine nur leicht gekippte Lage führt schon zu einer Fehlfunktion, die dann im Flug mit steigen oder sinken, oder zu einer Rollbewegung führt. Zudem sollte das Gerät so nah wie nur möglich am Schwerpunkt eingebaut sein. Hier ist also Sorgfalt gefragt, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Ich habe das StaBee aus Platzgründen auf sehr weichen doppelseitigen Klebepads direkt auf die Montageplattform geklebt. Ist die Einbaulage einmal gefunden, ist der Anschluss an den Empfänger schnell erledigt. Mit Hilfe der beiliegenden Patch-Kabel wird jeweils der Kanal für Höhe, Seite und Quer, sowie der Kanal zum Schalten der Betriebsmodi mit dem Empfänger verbunden. Die Servos der einzelnen Funktionen werden dann äquivalent an das Modul angeschlossen. Das alles beschreibt der Hersteller sehr gut in der beigefügten deutschsprachigen Anleitung. Wer sich daran hält, sollte keine Probleme bekommen.

 

Einstellung

Ist die Montage erst einmal erfolgt, ist die Grundeinstellung schnell erledigt. Dennoch erfordert es Aufmerksamkeit, denn ein versehentlich falsches Konfigurieren der Wirkrichtung eines Gyros hätte fatale Folgen. Die drei Potis am StaBee dienen zur Einstellung der Wirkrichtung der einzelnen Steuerachsen und der maximalen Ausschläge der Servos im Stabilisierungs-Mode. Vorsicht beim Überdrehen: Hier ist weniger mehr! Bei zu groß gewählten Ausschlägen neigt das System zum Aufschwingen des Modells. Zum Fine-Tuning erfordert es schon einige Testflügen, bevor das System perfekt funktioniert. Ist jedoch die optimale Einstellung gefunden, müssen für weitere Flüge keine Besonderheiten mehr beachtet werden. Das System kalibriert sich vor jedem Start neu und ist nach wenigen Augenblicken einsatzbereit.

 

Die Flugerprobung

Nach dem Start mit ausgeschaltetem System (Mode 1), schalte ich mit deutlicher Sicherheitshöhe auf Mode 3 (Stabilisierung). Ich lasse die Steuerknüppel los und sehe wie sich das Modell sehr schnell stabilisiert und seine Flugbahn exakt hält. Da der Wind an diesem Tag etwas böhig war, konnte das StaBee gleich zeigen was tatsächlich in ihm steckt. Sauber zieht das Modell seine Bahn, hält sehr exakt den Kurs und lässt sich von den Windeinflüssen scheinbar überhaupt nicht beeinflussen. Steuereingaben sind jederzeit möglich, allerdings ist im Mode 3 das Steuergefühl extrem zäh. Es fühlt sich an als ob ich viel zu viel Expo eingestellt hätte. Das Modell bleibt dennoch um alle Achsen kontrollierbar. Kunstflugmanöver sind in diesem Mode nicht mehr möglich. Logisch, denn das ACME StaBee greift in Mode 3 ständig ein, um eine stabile Fluglage zu erzwingen. Großräumiges und weiches Fliegen ist angesagt. Auch Landungen funktionieren in diesem Mode hervorragend. Mit Gas und ein wenig Höhenruder lässt sich eine perfekte Landung zaubern.

Test: Strommesszange TESTBOY TV 218Um zu prüfen wie gut das ACME StaBee als "Rettungsanker" funktioniert, schalte ich wieder in Mode 1 (System aus) und bringe mein Modell bewusst in eine kritische Fluglage. Dann schalte ich wieder um in Mode 3 und schaue, wie sich mein Testmodell ohne viel Höhe zu verlieren, in eine absolut stabile Fluglage bringt. Schon beeindruckend wie das funktioniert! In der nächsten Runde teste ich die Einstellungen im Acro/3D-Modus (Mode 2). Jetzt verhält sich mein Modell so als ob eine Art "Heading Hold"-Modus eingeschaltet wäre, ähnlich wie ich es vom Hubschrauber her kenne. Alle Achsen sind voll steuerbar. Sobald ich jedoch die Knüppel meiner Fersteuerung los lasse, folgt das Modell der vorgegeben Flugbahn weiter, bis ich wieder eingreife. Das funktioniert im Rückenflug genauso wie in Messerfluglage und zwar so lange, bis die aerodynamischen Grenzen überschritten werden. Auch ein exakter Looping bei kräftigem Seitenwind ist ohne Probleme und ohne Anstrengung sehr sauber zu fliegen – das ist nicht nur Klasse, sondern auch beeindruckend! Ich habe das ACME StaBee testweise auch in ein kleines 3D-Kunstflugmodell eingebaut. Hier ist das Fine-Tuning aufgrund der großen Ruderklappen noch etwas schwieriger. Aber auch hier verrichtet das System zuverlässig seinen Dienst. Mit dem ACME StaBee lassen sich Figuren üben, die sonst über alle Achsen intensive Steuereingaben benötigen. Aber will ich mir als Kunstflugpilot das Steuern wirklich abnehmen lassen? Diese Frage kann sicherlich jeder für sich selbst am Besten beantworten.

 

Fazit

Das ACME StaBee ist ein preiswertes 3-Achs-Stabilsierungssystem das wirklich hervorragend in Elektromodellen funktioniert. Der Einsatz und der Einbau in einem Modell erfordern jedoch Erfahrung und vor allen Dingen Fachkenntnisse. Den Anfänger unter den Modellpiloten bietet es eine Art Hilfesystem um aus kritischen Flugsituationen das Modell zu retten. Dem Kunstflugpiloten bietet das StaBee eine interessante Spielwiese. Besonders aber FPV-Piloten und Piloten von Modellen, die als Kameraträger dienen, werden dieses System schätzen. Durch gutes Preis/Leistungsverhältnis und sicherer Funktion konnte das ACME StaBee im Test besonders punkten. Wer sich also für ein Stabilisierungssystem interessiert, sollte sich das StaBee von ACME genauer anschauen!

 

Über den Autor

Stephan Weinhard ist 47 Jahre alt und von Beruf Ingenieur für Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Modellbau ist eine Leidenschaft die ihn schon als jugendlicher begleitete, aber doch auch von längeren Pausen von diesem Hobby geprägt war. Vor ca. 8 Jahren packte ihn das Thema aber dann sehr intensiv. Er betreibt hauptsächlich Kunstflug inkl. 3D mit großen Kunstflugmodellen mit Elektro- oder Benzinmotor. Er besitzt mehrere Voll-Gfk Modelle von Composite ARF und Modell-Composite und einige klassische Sperrholz/Balsa Konstruktionen. Aber auch alle anderen Sparten der Flächenflugmodelle sind ihm nicht fremd. Vor einem Jahr packte ihn dann auch noch das Helifieber.

 

 

Technische Daten:

• Abmessungen: 52x33x19mm
• Gewicht: 20g
• Unterstützt 3 unterschiedliche Modi

 

Wo kaufen?

Bezug: Fachhandel
Preis: 139,00 Euro (UVP)

 

 

 

 

Gut

• Günstiger Preis
• Geringer Temperaturdrift
• Ausführliche deutschsprachige Anleitung
• Sichere Funktion

 

Weniger gut

• Nur ein Querruderkanal wird unterstützt, ansteuerbar über Y-Kabel

 

Kontaktdaten Hersteller:

ACME the game company GmbH
Industriestrasse 10 A
33397 Rietberg
Telefon: 05244/7000-70
Email: info@acme-online.de
Internet: http://www.acme-online.de

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.5 (21 Bewertungen)

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