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Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodell COLUMBIA 400 von PILOT-RC

von Stephan Weinhard vom 21. August 2012
Artikel-ID: 20120821-FM-01 Rubrik: Flächenmodelle

Scale-Großmodelle, die klassische Sportflugzeuge zum Vorbild haben, sind meist vom Type Piper, Cessna, Decathlon und Co.  Etwas Besonderes aber hat sein kurzem der chinesische Hersteller PILOT-RC im Angebot. Die COLUMBIA 400 ist der Nachbau einer viersitzigen Propellermaschine, welche nach unserer Kenntnis noch nie als ARF RC-Großmodell angeboten wurde. Die 3.800 Millimeter spannende COLMBIA 400 von PILOT-RC, hat sich Stephan Weinhard ganz genau angeschaut und intensiv erprobt.

 

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Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodelle COLUMBIA 400 von PILOT-RCPILOT-RC (http://www.pilot-rc.com) hat sich mittlerweile einen hervorragenden Ruf in Bezug auf Qualität und Flugeigenschaften seiner großen ARF-Kunstflugmodelle erworben. Nun beschreitet der Hersteller einen neuen Weg und widmet sich zusätzlich dem Nachbau großer Sportmaschinen. Die brandneue COLUMBIA 400 ist dabei ein wirklich stattliches Großmodell mit einer Spannweite von 3.800 Millimetern und einem Abfluggewicht von rund 17 Kilogramm. Ausgelegt ist das Modell für einen Benzin Motor mit 100 ccm und insgesamt neun kräftige Servos werden zur Ansteuerung der Ruder  bzw. der Funktionen benötigt. Besonderes Augenmerk legt der Hersteller bei seiner neuen Serie auf viele Scale-Details. Dazu gehört eine eingebaute Beleuchtungsanlage in den Flächen sowie viele kleine Antennen, wie sie auch beim Original zu finden sind, Tritte für den Einstieg, ein Cockpit-Nachbau unter der Kabinenhaube und vieles mehr. Auch die Lackierung des Modells entspricht dem Original. Die  COLUMBIA 400 von PILOT-RC hat mich so sehr angesprochen, dass ich meine eingetretenen Kunstflug-Pfade dieses mal verlasse und mich für dieses Scale-Projekt entscheide. Beim europäischen Importeur RC-PLANES.NL (http://www.rc-planes.nl) war die Bestellung schnell aufgegeben und prompt bekam ich eines der ersten in Serie gefertigten Modelle zum Preis von rund 1.699,00 Euro (UVP) geliefert. Zusätzlich habe ich den vom Hersteller vorgesehenen DLE 111 als Motor gleich mit bestellt. Bei der Anlieferung sehe ich mich einem riesigen Karton gegenüber, in dem alle Teile des Modells absolut sicher verpackt sind. Daher dauert es seine Zeit bis der große elegante Rumpf und die Surfbrett großen Tragflächen in meiner Werkstatt verstaut sind. Erst jetzt sieht man, wie groß das Modell tatsächlich ist.

 

Das Original

Columbia Aircraft hat sich aus der Firma Lancair entwickelt. Leider war die finanzielle Decke des relativ kleinen Unternehmens nie besonders stark. Dennoch konnte die COLUMBIA 400 entwickelt und insgesamt rund 600 Flugzeuge gebaut werden. Das Muster COLUMBIA 400 ist ein lupenreiner Tiefdecker und war wegen seiner modernen und eleganten Form, den hervorragenden Flugeigenschaften und der ausgesprochen guten Flugperformance ein echter Renner auf dem Markt. Nach einem schweren Unwetter, bei dem große Teile der Fabrikhallen und zum Teil bereits fertiggestellte Flugzeuge zerstört wurden, kam dann das finanzielle Aus für Columbia Aircraft. Konkurrent Cessna ergriff die Gelegenheit und konnte sich Columbia Aircraft für einen lächerlichen Millionen-Betrag unter den Nagel reißen. Die COLUMBIA 400 wird heute noch unter der Bezeichnung CESSNA 400 und seit dem Jahr 2009 unter dem Namen CORVALLIS TT fast unverändert gebaut.

Das manntragende Original der COLUMBIA 400 ist eine viersitzige Sportmaschine mit einer Spannweite von rund 11,00 Metern und einer Länge von 7,72 Metern. Die maximale Abflugmasse beträgt, bei einer Nutzlast von 500 kg, stattliche 1.636 Kilogramm. Angetrieben wird das Original von einem Teledyne Continental TSIO-550-C mit 310 PS, der das Flugzeug auf eine   Höchstgeschwindigkeit von 435 km/h beschleunigt. Besonders charakteristisch für die COLUMBIA 400 ist das weit nach vorne gepfeilte Hauptfahrwerk, das die elegante Linieführung des Rumpfes unterstützt.

 

 

Das Modell

Das Modell meiner COLUMBIA 400 ist im Maßstab 1:2,8 als klassische Holzkontruktion aufgebaut. Lediglich die Motorhaube und die eleganten Radschuhe sind aus GFK gefertigt. Die Kabinenhaube ist aus einem Stück PET gezogen, in passender Farbe lackiert und passgenau mit dem Rahmen  verklebt. Der Rumpf und die Flächen sind sehr sauber und vollkommen faltenfrei mit original ORACOVER bespannt und haben ein wunderschönes und typischer Scale-Design. Darüber hinaus ist in den Flächen bereits ab Hersteller betriebsbereit eine Beleuchtung eingebaut. Die notwendige Elektronik dafür, um die beiden Positionslichter an den Randbögen und den Landescheinwerfer anzusteuern, findet sich ebenfalls im serienmäßigen Zubehör des Modells.

Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodelle COLUMBIA 400 von PILOT-RCWie ich es schon von anderen Modellen des Hersteller PILOT-RC kenne und mittlerweile gewohnt bin, ist auch hier die Qualität aller gelieferten Teile auf höchstem Niveau. Die Konstruktion ist sehr durchdacht und so halten sich Stabilität und geringes Gewicht durchaus genau die Waage. Die Flächenbefestigung erfolgt über einen mächtigen 4-Kant Holm von gut 1.100 Millimetern Länge. Die Höhenruder werden zusammen mit einem gängigen CFK-Steckungsrohr am Rumpf verschraubt. Die Höhenruder werden dabei in vorbereiteten Taschen eingesetzt und nicht einfach von außen aufgeschraubt, was den Scale-Charakter dieses Modells nochmals erhöht. Das im Lieferumfang enthaltene Zubehör wie Ruderhörner, Servohorn-Verlängerungen, Anlenkgestänge, Schrauben, Radachsen und viele Scale-Details ist umfangreich, vollständig und von aller bester Qualität. Hier muss nichts dazugekauft oder ergänzt werden. Das Preis/Leistungs-Verhältnis bisher ist wirklich top. Der gesamte Vorfertigungsgrad der COLUMBIA 400 entspricht ebenfalls den hohen Standards von PILOT-RC und erlaubt jedem Modellpiloten einen sehr zügigen Aufbau des Modells. Mit einem zeitlichen Aufwand von 40 bis maximal 50 Stunden, lässt sich das Modell flugfertig aufrüsten. So sind zum Beispiel die Anlenkseile für das Seitenruder bereits eingezogen oder der Tank ist fertig montiert. Auch die notwendige Halterungen für Haupt- und Bugfahrwerk sind bereits ab Hersteller montiert. Um es kurz zu machen: Die PILOTR-RC COLUMBIA 400 ist ARF-Modellbau auf qualitativ höchstem Niveau!

 

RC-Technik

Bevor ich nun mit dem eigentlichen Aufbau des Modells beginne, gilt es sich grundsätzliche  Gedanken zu den verwendeten RC-Komponenten zu machen. Die großen Ruderklappen verlangen nach kräftigen und robusten Servos. Ich habe mich für insgesamt neun Hochvolt-fähige Digitalservos vom Typ HBS 860 BB/MG aus dem Hause GRAUPNER (http://www.graupner.de) entscheiden. Die Servos verfügen über eine Stellkraft von rund 150 Ncm an 7,4 Volt und haben robuste Metallgetriebe. Das macht sie deutlich unempfindlicher gegen die Vibrationen des Motors und den zu erwartenden Ruderkräften. Die Stromversorgung soll direkt aus 2-zelligen Lipo Akkus ohne weitere Spannungsreduzierung erfolgen. Für die GRAUPNER HV-Servos habe ich mich entschieden, weil sich dadurch eine Reihe von entscheidenden Vorteilen ergeben: Zum einen zeichnen sich die HBS 860 MG durch enorm hohe Stellkräfte aus, zum anderen reduziert sich der Stromverbrauch durch die HV-Technik. Zudem muss die Spannung der heute üblichen 2-zelligen Lipo Empfänger-Akkus nicht zusätzlich reduziert werden, was den technischen Aufwand und damit die potentiellen Fehlerquellen in Grenzen hält. Die Servos haben im späteren Flugbetriebbetrieb absolut überzeugt und sind den Belastungen des Modells voll gewachsen. Sie sind auch nach etlichen Flügen spielfrei.

Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodelle COLUMBIA 400 von PILOT-RCEin Modell dieser Größe muss aus Sicherheitsgründen mit möglichst ausfallsicherer und hochwertiger RC-Technik ausgestattet sein. Dazu gehört aus meiner Sicht eine Doppelstromversorgung die eine ausreichende Spannungsversorgung des Empfängers und der angeschlossenen Servos auch unter höchsten Belastungen sicherstellt und darüber hinaus eine Redundanz bei der Akku-Versorgung realisiert. Fündig geworden bin ich beim Angebot von ENGEL Modellbau und Technik (http://mt.engel-modell.de). Andreas Engel hat eine brandneue und zudem extrem leichtgewichtige „Lipo HV-Doppelstromversorgung“ im Programm, die die Spannung der angeschlossenen Lipos nicht reduziert. Die PMS ACRO stellt maximal 16 Ampere Strom unter Dauerbelastung und bis zu 25 Ampere Impulsbelastung (10 Sekunden lang) zur Verfügung. Das reicht sicher aus, um eine stabile Spannung auch bei parallelem Anlauf mehrerer Servos zu garantieren. Darüber hinaus ist das geringe Gewicht und der günstige Preis von gerade mal 89,90 Euro (UVP) überzeugend. Die PMS ACRO verfügt über zwei Anschlüsse für die Empfänger. Ein weiteres Highlight war für mich die Tatsache, dass die Doppelstromversorgung schon mit Anschlüssen für Telemetrie ausgestattet und bereits mit zwei Kabel zur Überwachung der beiden Empfänger Akkus mit passenden Steckern für den Anschluss an das GRAUPNER HoTT General Air Modul versehen ist. So können ohne weitere Lötarbeiten ganz einfach die beiden Empfänger Akkus überwacht werden.

Da ich einen GRAUPNER HoTT Großmodell-Empfänger GR-32 einsetze, habe ich auf eine Powerweiche bewusst verzichtet, denn jeder Servo-Anschluß des GR-32 kann problemlos mit 5 Ampere Strom belastet werden. Zusätzlich verfügt der GR-32 über zwei getrennte Empfangsteile und beide Empfänger jeweils wieder über ein eigenes Antennen-Diversity. So stellt die gesamte Empfänger-Einheit ein Maximum an Sicherheit bei der Übertragung der Steuersignale zwischen Pilot und Modell sicher. Speziell für den GRAUPNER HoTT Gr-32 Empfänger, bietet Andreas Engel für seine PMS ACRO auch ein Kabelset an, welches alle sechs Akkuanschlüsse mit Strom versorgt.

Zur Überwachung der Technik während des Flug setze ich auf die Zuverlässigkeit der HoTT-Telemetrie von GRAUPNER. Dabei möchte ich vor allem den Zustand der beiden Empfänger-Akkus, sowie die Temperatur der Zylinder und die Drehzahl des Motors überwachen und für spätere Analysen aufzeichnen. Entsprechend habe ich das GRAUPNER General Air Modul mit einem optischen Drehzahlsensor und externen Thermometer  aufgerüstet. Zusätzlich verfügt das Modul über eine Vario-Funktion, die für eine Motorflugzeug sicherlich nicht von besonderer Bedeutung ist. Trotzdem lässt sich damit aber später die maximale Flughöhe des Modells auswerten. Durch die Vergabe sinnvoller Alarmschwellen für die Akkuspannung und Motortemperatur, kann im Falle eines Defekts eines Akkus, einer Kabelverbindung oder der sich anbahnenden Überhitzung des Motors, das Modell noch rechtzeitig auf den sicheren Boden zurück gebracht werden.

 

Getting startet

Da nun alle benötigten Teile in meiner Werkstatt zum Einbau in das Modell bereit liegen, beginne ich mit dem Aufbau der COLUMBIA 400. Die Montageanleitung ist leider nur in englischer Sprache verfügbar, dafür ist sie reich bebildert und wer bereits seine Erfahrungen mit einem Großmodell sammeln konnte, kommt damit mehr als gut zu Recht. Zuerst verklebe ich die Doppelruderhörner in Flächen und Leitwerke. Der Einbau ist bereits ab Hersteller sehr gut vorbereitet und schnell erledigt. Lediglich die Trocknungszeit des 24-Stunden-Epoxydharz verhindert ein schnelleres Fertigstellen dieser Baugruppe. Die Wartezeit verbringe ich also damit, das Fahrwerk am Rumpf zu montieren. Es beginnt mit dem Einbau des stabilen Bugfahrwerks, welches an die vorbereiteten Verschraubungen am Brandspant mit insgesamt sechs Schrauben montiert wird. Abgestützt wird das Fahrwerk an einem sehr stabilen Aluminium Montagewinkel, der bereits im Rumpf durch den Hersteller eingebaut ist. Das Bugrad ist gefedert und wird von oben durch ein Servo angelenkt. Im nächsten Schritt gilt es, das Hauptfahrwerk zu montieren. Diese wird nicht, wie sonst üblich, einfach unten am Rumpf verschraubt, sondern in den Rumpf eingesteckt und seitlich innen im Rumpf gesichert. Die beiden Fahrwerksbügel werden dann zusätzlich noch mit einem Aluminium U-Profil verbunden, umso die Kräfte bei etwas härteren Landungen optimal aufnehmen zu können und um die Rumpfstruktur bei Landestößen nicht zu stark zu belasten. Das ist clever konstruiert, bietet viel Sicherheit und sieht vor allem sehr gut aus.

Nach dem Austrocknen des Klebers für die Ruderhörner, werden die Servos in den Flächen verbaut. Dazu werden je zwei Hartholzklötzchen auf die Abdeckplatten der Schächte verklebt und die Servos daran verschraubt. Diese Methode mag etwas archaisch anmuten, funktioniert aber einwandfrei. Um die Kraffteinleitung der Servos zusätzlich zu verbessern, habe ich diese noch mit Spiegeltape in den Servohalterungen verklebt. Die mitgelieferten Anlenkgestänge sich wunderbar in der Länge einstellbar und lassen sich mechanisch genau anpassen. Leider sind die Anlenkgestänge für die Landeklappen etwas zu lang ausgefallen und hatten eine schlechte Ausnutzung des möglichen Servoweges zur Folge. Daher wurden von mir die beiden Servo-Gestänge für die Landeklappen aus je 3 Millimeter Gewindestange nach gefertigt. Jetzt kann die Kraft des Servos optimal genutzt werden, was bei den fast „Scheunentor“ großen Landeklappen auch nötig ist. Bevor die Servos endgültig verbaut werden, müssen natürlich die Servokabel der Flächen-Servos verlängert werden.

 

Tipp: Bei starken Digitalservos und langen Servokabeln, sollte für die Verlängerungskabel ein Kabelquerschnitt von 0,5 mm² verwendet werden. Nur so ist sichergestellt, dass die volle Spannung der Empfängerakkus auch beim Servo ankommt und die Kraft der Servos voll ausnutzt werden kann. Herkömmliche Servokabel oder käufliche Verlängerungen haben oft nur einen Kabelquerschnitt von 0,25 mm² oder 0,35mm².

 

Die elektrische Verbindung zwischen Tragflächen und Rumpf erfolgt über je ein MPX Stecker. Eine von vielen Modellpiloten erprobte und mittlerweile sichere Steckverbindung. Ähnliches gilt für den Einbau der Servos in die Höhenruder. Hier werden die Servos von der Wurzelrippe aus in die Dämpfungsfläche eingeschraubt. Die Anlenkung der Höhenruder ist genauso ausgeführt wie bei den Querrudern und lässt sich mechanisch optimal anpassen und einstellen. Für den Einbau der verbliebenen drei Servos im Rumpf ist ebenfalls alles gut vorbereitet und binnen kürzester Zeit erledigt. Das Servo zur Anlenkung des Bugrades passt dabei genau in die vor Hersteller vorgesehene Aussparung. Der Tank muss jedoch so weit wie möglich nach hinten verschoben werden, damit er den Servo-Schacht des Bugfahrwerks nicht verdeckt.

Die Anlenkung des Seitenruders ist durch die bereits eingezogenen Seile und der guten Vorbereitung durch den Hersteller schnell erledigt. Bleibt noch das Gas-Servo, das in eine mitgelieferte Servo-Halterung unten an den Motordom befestigt wird: Hier wird lediglich die Position des Servos markiert, die Servo-Halterung an den Dom mit etwas Harz geklebt und das Servo einsetzten. Die Anlenkung vom Servo zum Vergaser habe ich, wie üblich aus einer 3 Millimeter Gewindestange gefertigt.

 

Der Antrieb

Nachdem alle Steuerkomponenten verbaut sind, geht es an den Antrieb des Modells. Als Motor habe ich mich für den von PILOT-RC empfohlenen kraftvollen DLE 111 entschieden. Ein Boxermotor mit 111 ccm Hubraum, der eine 2-Blatt Luftschrauben der Größe 28“x10“ bis 29“x10“ antreibt. Meine Erfahrungen mit mittlerweile verschiedenen DLE-Motoren waren bislang sehr positiv und so war die Entscheidung schnell gefallen, auch dieses mal auf diese Marke zu setzen. Der Einbau des Antriebs ist genial vorbereitet: Im Lieferumfang der COLUMBIA 400 befindet ein Motorspant, bei dem die passenden Bohrungen für einen DA-100 angezeichnet sind. Diese passen auch ganz exakt für den von mir gewählten DLE 111. Der Spant wird im Motordom verschoben, bis ein optimaler Übergang zwischen Haube und Spinner erreicht ist. Zudem ist im Motordom bereits ab Hersteller der richtige Motorsturz und -zug angezeichnet. Richtet man den Motorspant an diesen Hilfslinien aus, dann passt später nicht nur der Haubenübergang zum Spinner optimal, der Motor hat auch die optimale Einbaulage, wie die späteren Flüge mit dem Modell gezeigt haben. Ein spätere Korrektur von Zug und Sturz war daher nicht mehr notwendig. So macht ARF-Modellbau Spaß und geht schnell von der Hand.

Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodelle COLUMBIA 400 von PILOT-RCNachdem der Motorspant mit den beiden Aluminiumwinkel, acht Schrauben und eingedicktem 24-Stunden-Epoxydharz eingesetzt ist, geht es an den Einbau der Dämpfer. Etwas Hirnschmalz habe ich in die Wahl der richtigen Schalldämpfer investiert, denn auf deutschen Modellflugplätzen gelten bekanntlich meist relativ strenge Lärmvorschriften, die einzuhalten sind. Ebenso möchte ich eine möglichst optimale Laufkultur des Motors erreichen. Ein zusätzlicher und wesentlicher Faktor bei der Auswahl der passenden Schalldämpfer, war aber auch zur Verfügung stehende Platz im Modell.

PILOT-RC hat die COLUMBIA 400 für den Einbau von externen Schalldämpfern sehr gut vorbereitet. Im Modell ist ein sehr gut zugänglicher Dämpferschacht integriert, der vom Innenraum vollständig getrennt ist. Das verhindert ein unnötiges Erwärmen der elektronischen Komponenten und erlaubt eine optimale Abfuhr der Motorwärme durch die sehr großzügigen Lüftungsöffnungen am Rumpfboden. Die Wahl der Schalldämpfer aufgrund meiner sehr positiven Erfahrungen aus der Vergangenheit: Ein Set aus dem Hause KRUMSCHEID. Für die COLUMBIA 400 habe ich mich für insgedamt zwei Dämpfer Typ 86-V 5 und ein ABF-Krümmerset entschieden. Die Dämpfer passen ideal zum Motor und darüber hinaus auch genau in den vorhandenen Dämpferschacht. Das innovative selbstbiege ABF-Krümmerset macht die Dämpfer- und Krümmermontage zum Kinderspiel, da kein langwieriges Ausrichten von einzelnen Krümmerteilen oder gar Hartlöten notwendig ist. Im Zubehörset des Modells liegen Einbauspanten für die Dämpfer mit verschiedenen Durchmessern bei.  Die Spanten lassen sich passgenau in den Dämpferschacht einsetzten. Auch für meine beiden Dämpfer aus dem Hause KRUMSCHEID ist ein exakt passendes Spantenset dabei. Zusätzlich stellt die Verwendung der Spanten auch gleich die richtige Ausrichtung der Dämpfer im Schacht des Modells sicher. Die ABF-Krümmer sind dadurch binnen weniger Minuten zurecht gebogen und die eingelegten Gummiringe im Wellschlauch verhindern, dass einzelne Stellen beim Biegen nicht zu sehr gestaucht werden. Keine 15 Minuten zeitlicher Aufwand und die beide Krümmer haben die richtige Form und können montiert werden.

Um es vorweg zu nehmen: Die Motor/Dämpfer-Kombination hat meine Erwartungen an ein Flugmodell dieser Größe voll erfüllt. Der Motor ist laufruhig, springt sehr gut an, zeigt keine Drehzahlsprünge und konnte nach kurzer Zeit schon eine Drehzahl von 6.100 U/min mit einer 28“x10“ BIELA Luftschraube drehen. Das Geräuschniveau ist sehr angenehm und wird im wesentlichem vom Luftschraubengeräusch dominiert. Auch gab es keinerlei Probleme mit den ABF-Krümmer während der gesamten Testphase bis zum heutigen Tage. Ein rundum sorgenfreies Paket.

Noch ein paar Worte zum Tankumbau: Der mitgelieferte 1.000 ml fassende Tank ist bereits im Rumpf betriebsfertig montiert. Dennoch habe ich ihn etwas umgebaut, da mir die vom Hersteller vorgesehene  Betankung durch das Tankpendel nicht gefällt. In meinem Benzintanks setze ich ein Filzpendel ein, welches das Benzin von möglichen Schwebstoffen befreit, bevor es in den Motor gelangt. Aber vor allem bewirkt das Filzpendel eine unterbrechnungsfreie Spritversorgung des Motors, wenn das Tankpendel bei halbvollem Tank oder wilden Manövern öfter auch mal in der freien Luft schwebt. Aus diesem Grund benötigt meine COLUMBIA 400 einen Tank mit drei Anschlüssen: Betanken, entlüften und der Anschluss des Vergasers. Dazu habe ich mir einen Benzin festen Stopfen aus dem DUBRO Zubehörprogramm gekauft, der optimal in den Stutzen des original Tank passt und gegen den alten Stopfen ausgetauscht. Ein zusätzliches Messingröhrchen ist schnell angefertigt und der Tank wieder zusammen gebaut. Ein kleiner Umbau am Tank, der aus meiner Sicht die bereits beschrieben Vorteile mit sich bringt.

Wie erwähnt, muss der Tank möglichst weit hinten montiert werden, damit der Servo-Schacht für das Bugrad-Servo nicht verdeckt wird. Schon zu Beginn der Montage der COLUMBIA 400 habe ich mich gewundert, dass die Kabinenhaube mit etwas Spannung montiert werden muss. Der Grund dafür war aber der Tank, der gegen die Cockpit Innverkleidung der Haube drückte. Was sich zunächst als kleines Ärgernis darstellt, war im Nachhinein betrachtet ein echter Vorteil: Ich habe einen Ausschnitt für den Tank in die Innenverkleidung der Kabinenhaube geschnitten. Dieser kleine Ausschnitt stört optisch nicht, ermöglicht aber einen Blick auf den Tank mit montierter Kabinenhaube. So kann ich auf einen Blick sehen wie voll der Tank ist, ohne dass ich die Haube demontieren muss.

 

Endspurt

Nachdem der Antrieb und der umgebaute Tank montiert sind und die beiden Empfänger-Akkus und der Akku für die Beleuchtung seinen Platz gefunden haben, musste der vierzellig NiMh-Akku für die Zündung und der Zündungsschalter montiert werden. Abschließend wurde noch das Beleuchtungsmodul eingebaut, welches mit einem 3-zelligen Lipo befeuert wird. Leider lässt sich das Lichtmodul nicht vom Empfänger aus steuern, sondern muss über die mitgelieferte IR-Fernbedienung ein- bzw. ausgeschaltet werden. Daher muss man sich schon vor dem Start entscheiden, ob die COLUMBIA 400 mit oder ohne Beleuchtung geflogen werden soll.

Die verschiedenen Scale-Anbauten am Modell, wie diverse Antennen, Einstiegshilfen oder Griffe, werden verklebt oder zum Teil verschraubt. Der vorgegebene Schwerpunkt konnte leider nicht nur durch verschieben der Akkus und Komponenten eingehalten werden. 200 Gramm zusätzliches Blei am Dom wurden zusätzlich benötigt um den vom Hersteller angegebenen Schwerpunkt einhalten zu können. Bei einem Gesamtgewicht von finalen 16,5 Kilogramm, spielen die paar Gramm Blei keine Rolle mehr. Die letzte Aufgabe ist die Programmierung des Senders. Eigentlich kein großes Thema, da die Flächenkonfiguration relativ simpel ist und meine GRAUPNER MC-32 quasi alle notwendigen Flächenmischer bereits vorbereitet hat. Lediglich das Abstimmen der unterschiedlichen Ausschläge der beiden Landeklappen und der beiden Höhenruder erfordert etwas Zeit und Konzentration.

 

Airborne

Nachdem alle Systeme und Einbauten mehrfach geprüft wurden und die Ruderausschläge nach Anleitung des Herstellers eingestellt sind, geht es endlich zum Flugplatz. Wer sich für ein Modell dieser Größe entscheidet, sollte sich vorab einige Gedanken zum Transport und der Lagerung machen. In einem normal großen Familienkombi lässt sich die COLOMBIA 400 jedenfalls nicht mehr transportieren. Dafür ist sie mit Fahrwerk und Seitenleitwerk einfach viel zu hoch. Ein großer Familien-Van oder ein kleiner Bus muss es da schon sein. Auch in der Werkstatt bzw. im Hangar braucht das Modell selbst unaufgebaut viel Platz.

Noch vor den ersten Motorläufen wird erst einmal obligatorisch die Reichweite ausgiebig getestet. Ergebnis: Die geforderte Mindestreichweite mit reduzierter Leistung wurde deutlich übertroffen. Zunächst habe ich den Motor eine Tankfüllung mit mineralischem Öl im Verhältnis 1:25 am Boden gegönnt, um zu prüfen ob dieser problemlos läuft. Während der ersten Einlaufphase habe ich nochmal einen Reichweitentest, dann mit laufendem Motor durchgeführt, der ebenfalls wie erwartend positiv verlief.

Exklusiver Viersitzer im Test: Scale-Großmodelle COLUMBIA 400 von PILOT-RCNachdem alle notwendigen Schritte unternommen sind, das Wetter perfekt ist und der schwache Wind schräg von vorne über die Bahn bläst, gibt es keine  Ausreden mehr, den Jungfernflug zu verschieben. Auch wenn ich davon überzeugt war, dass die COLUMBIA 400 hervorragend fliegen wird, ist der Jungfernflug eines Großmodells immer wieder aufregend. Zum Start werden die Klappen auf 15° gestellt, Gas rein. Nach ca. 40 Metern wird die COLUMBIA 400 leicht am Bugrad und kann mit deutlich gezogenem Höheruder in die Luft befördert werden. So aufgeregt ich beim Jungfernflug auch war, so unbedeutend verhielt sich die COLUMBIA 400 in Bezug auf ihre Flugeigenschaften. Auf Sicherheitshöhe angekommen, werden die Klappen eingefahren und die ersten Runden geflogen. Nur sehr wenige Trimmkorrekturen auf Querruder und Höhenruder sind notwendig und die COLUMBIA 400 zieht absolut stabil – fast wie ein Trainer – ihre Kreise. Dabei fliege ich das Modell mit nur wenig Expo auf dem Höhenruder. Sie hängt sauber und exakt am Steuerknüppel und vermittelt ein direktes und sicheres Gefühl auf allen Rudern. Die in der Anleitung vorgegeben Ruderausschläge passen dabei sehr gut zum Modell und müssen nicht weiter verändert werden.

Der verbaute DLE 111 Boxermotor zieht die COLUMBIA 400 extrem kraftvoll nach oben und reißt sie fast endlos in den Himmel. Hier sind also mehr als reichliche Kraftreserven vorhanden. Das Flugverhalten ist sehr unkritisch und ist im Prinzip von jedem Piloten mit Querruder-Erfahrung zu beherrschen. Auch das Flugbild der PILOT-RC COLUMBIA 400 ist absolut sensationell und zieht Pilot und alle Zuschauer am Platz in den Bann der Begeisterung. Schon in geringer Entfernung ist das Modell kaum vom Original zu unterscheiden.

Nach ein paar Runden prüfe ich die Klappenfunktion und bin sehr überrascht, dass diese beim Ausfahren praktisch keine Lastwechseländerung hervorrufen. Die COLUMBIA 400 reduziert deutlich ihre Fahrt, nimmt aber weder die Nase hoch noch runter. Ein Zumischen des Höhenruders beim Ausfahren der Klappen ist also nicht erforderlich. Trotzdem: Der Landeanflug mit gesetzten Klappen darf nicht zu flach gewählt werden. Die COLUMBIA 400 baut mit Klappen in der Landestelung sehr viel Fahrt ab und verliert dabei natürlich deutlich an Höhe. Auch sollte der Motor immer noch eine gewisse Drehzahl vorweisen, um ein Durchsacken aufgrund zu geringer Fahrt zu verhindern. Hat man den richtigen Anflugwinkel gefunden, wird die COLUMBIA 400 kurz vor dem Aufsetzten abgefangen und der Motor in den Leerlauf gedrosselt. So lässt sich das Modell ganz sanft und mit minimaler Geschwindigkeit wieder zurück auf den Boden bringen. Hatte ich anfänglich noch Bedenken, weil das Aluminium-Fahrwerk recht stark durch federt, so zeigt sich gerade bei etwas härteren Landungen, dass die Materialqualität des Fahrwerks hervorragend ist und den Anforderungen voll gerecht wird. Wunderbar dämpft das Fahrwerk beim Aufsetzten das Modell ab und ohne die geringste Neigung zum Springen rollt der Tiefdecker aus.

Nach gelungenem Erstflug beruhigen sich meiner Nerven und machen einem sehr breiten Grinsen in meinem Gesicht Platz. Je öfter ich die COLUMBIA 400 mittlerweile fliege, desto mehr bin ich von ihr begeistert. Und wenn dann doch mal die Gäule durchgehen, erlaubt die üppige Motorleistung und die hohe Festigkeit des Modells natürlich auch alle gängigen Kunstflugmanöver. Doch Rollen und Loops wirken bei diesem Modell sehr unnatürlich und machen letztendlich auf Dauer keinen großen Spaß. Die COLUMBIA 400 überzeugt durch andere Werte: Auf jedem Flugtag auf dem ich die COLUMBIA 400 präsentiere, wurde sie von anderen Piloten, aber vor allem auch von Zuschauern bewundert und mit reichlich Beifall versehen und somit könnte sich mein erster Ausflug mit der COLUMBIA 400 in die Scale-Großmodell-Szene durchaus zu einer neuen Leidenschaft entwickeln.

 

Fazit

Die COLUMBIA 400 von PILOT-RC ist ein ganz besonderes Großmodell, das mich qualitativ und fliegerisch wirklich überzeugt hat. Zudem ist gerade dieses Muster ein äußerst seltener Gast auf Modellflugplätzen, was ihr auch eine gewisse Exklusivität verleiht. Die Investition für ein solches Modell ist nicht gering, dennoch ist die COLUMBIA 400 – auch wegen des sehr qualitativ hochwertigen Zubehörs – unterm Strich ein gutes Angebot mit ausgesprochen fairem Preis/Leistungsverhältnis. Bis auf Antrieb und RC-Ausrüstung liegt alles weitere benötigte Zubehör im Lieferumfang des ARF-Bausatzes mit bei. Wer also die Exklusivität liebt und eine hochwertige Verarbeitung schätzt, finden mit der PILOT-RC ein wirklich außergewöhnliches Flugmodell.

 

 

Technische Daten Modell:

• Spannweite: 3.800 mm
• Länge: 2.600 mm
• Gewicht: 16.500 g (Testmodell)
• Flächeninhalt: 183 dm²
• Querruder, Seitenruder, Höhenruder
• Landeklappen, Fahrwerk

 

Elektronische Komponenten:

• 9x Servos GRAUPNER HBS 860 MG BB
• Empfänger GRAUPNER GR-32
• GRAUPNER Telemetrie General Air Module
• GRAUPNER Temperatur Sensor
• GRAUPNER Optischer Drehzahlsensor
• Doppelstromversorgung ACRO PMS
   Engel Modellbau
• 2x Lipo 2S 2.400 mAh von DYMOND

 

Antriebs-Komponenten:

• Boxermotor DLE 111
• 2x Krumscheid Dämpfer Typ 86-V 5
• 2x Krumscheid ABF Krümmer für DLE 111
• 4 Zellen Eneloop Akku für die Zündung

 

 

 

 

Gut

• Hervorragende Flugeigenschaften
• Hoher Vorfertigungsgrad
• Sehr gutes Zubehör
• Durchdachte und leichte Konstruktion
• Schneller problemloser Aufbau

 

Weniger gut

• Position des Tanks

 

Kontaktdaten des Importeurs:

Handelsonderneming Van Brenk
Thorbeckelaan 99
3771ED Barneveld
Niederlande
Internet: http://www.rc-planes.nl

 

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (13 Bewertungen)

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