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Test: CONRAD ARF 650 Quadrocopter

von Stefan Bruckner vom 30. August 2011
Artikel-ID: 20110830-FM-01 Rubrik: Helikopter

Quadrocopter - oder auch Multicopter genannt - etablieren sich mehr und mehr in der Modellflug-Szene. CONRAD ist bereits vor einiger Zeit mit dem Quadrocopter 450 ARF in diese Modellflugsparte eingestiegen und bietet jetzt mit dem Quadrocopter 650 ARF eine deutlich größere Version mit neuen Features an. Das alte Konzept des ARF 450 wurde dabei übernommen und entsprechend für den größeren 650er angepasst. Somit handelt es sich nach wie vor um einen Quadrocopter, der fast direkt aus der Schachtel flugfertig ist. Gerade für Anfänger also ein großer Vorteil, um möglichst schnell und unkompliziert in die Luft zu kommen.

 

 

Test: CONRAD ARF 650 QuadrocopterDer neue ARF 650 Quadrocopter von CONRAD (→ Produkt auf der Internetseite des Herstellers ansehen ) ist zum grössten Teil bereits vormontiert. Einzige Komponenten die zusätzlich benötigt werden sind: Fernsteuerung mit Empfänger und ein 3s 25C Lipo mit ca. 2. 500mAh. Die verbaute Technik des ARF 650 ähnelt dem des ARF 450 sehr stark - sowohl optisch als auch technisch.

Es wurden wieder Lage- und Beschleunigungssensoren eingebaut, die mittels eines leistungsfähigen RISC-Microprozessors ausgewertet und verarbeitet werden. Zusätzlich wurde dem ARF 650 ein Combiboard verpasst, welches zwei wichtige Funktionen bietet: Zum einen besitzt es einen Summensignalerzeuger und bietet somit die Möglichkeit, jeden beliebigen Empfänger zu verwenden. Der Modellpilot ist nicht mehr auf eine Frequenz oder ein Herstellersystem beschränkt. Zum anderen beinhaltet es eine Lichtsteuerung mit 8 Schaltausgängen, die mit LEDs oder 12V LED-Streifen belegt werden können. Diese können in verschiedenen Lichtmodi betrieben und per Fernsteuerbefehl umgeschaltet werden.

 

Die Elektronik sitzt zentral im Hauptrahmen

Der Name des neuen Quadrocopter gibt gleichzeitig seine Grösse vor. Der Copter hat einen Achsabstand von 650 Millimeter. Somit ist er um ganze 200 Millimeter größer als sein kleiner Bruder. Er ist jedoch nicht nur größer geworden, sondern hat auch entsprechend stärkere Motoren, Regler und größere Luftschrauben erhalten. Es werden GFK verstärkte 12“ Propeller mit einem Durchmesser von 305 Millimetern mitgeliefert. Die Vorteile: Der ARF 650 kann eine deutlich höhere Nutzlast tragen und hat durch sein hohes Landegestell auch genügend Bodenfreiheit um eine Digitalkamera mitzuführen. Die gesamte Elektronik ist zentral im Hauptrahmen eingebaut und mittels einer transparenten Kunststoffabdeckung vor Außeneinwirkung geschützt. Der ARF 650 verwendet exakt den gleichen Zentralrahmen in Gitterstruktur wie sein kleiner Bruder. Zusätzlich hat er jedoch auf der Oberseite eine Verbundplatte im Alu-Look, die dem Rahmen eine deutlich erhöhte Stabilität verleiht.

Test: CONRAD ARF 650 QuadrocopterDer Zusammenbau geht äußerst schnell von statten und kann inklusive Konfigurierung des Copters innerhalb einer Stunde bewerkstelligt werden. Zum einen ist die bebildertet deutschsprachige Anleitung sehr hilfreich, zum anderen überzeugt der Copter bereits durch einen sehr hohen Vorfertigungsgrad. Im Lieferumfang enthalten sind alle nötigen Teile zur Endmontage der Verbundplatte und des Landegestells. Anschließend werden noch die Ausleger mittels Klettband an der Verbundplatte gesichert. Der Empfänger wird entweder im Gitterrahmen oder auf der Oberseite der Verbundplatte montiert und ganz einfach mit den Steckern des Combiboards verbunden. Der Akku wird auf der Oberseite mittels Klettbändern befestigt. Man hat hier genügend viel Platz, um verschieden große Akkus zu verwenden. Laut Bauanleitung wird ein 3S 25C Lipo mit 2.500mAh Kapazität empfohlen. Bei den ersten Testflügen reichte jedoch auch ein 3S 30C 2.200mAh Akku aus, um mit dem Copter schön durch die Luft zu fliegen. Der ARF 650 ist trotz seiner Größe sehr gut zu transportieren, da auch er - wie der ARF 450 - zusammenklappbar ist.

Die erste Konfiguration des CONRAD ARF 650 Quadrocopter gestaltet sich sehr einfach. Mittels Jumper wird am Controlboard des Copters der Konfigurationsmodus ausgewählt und die Fernsteuerung eingelernt. Somit werden dem Copter die Steuerbefehle für Gas, Gier, Pitch und Roll in Bezug auf den eingestellten Modus der Fernsteuerung eingelernt. Wie genau das funktioniert, beschreibt die Anleitung äußerst genau. Der Copter verfügt über insgesamt drei Flugmodi: Beginner, Sport und User. Letzterer, welcher über den Computer konfiguriert werden kann, verfügt über einen Head-holding Modus (HH). Das heißt, der Copter richtet sich nicht wieder in Neutrallage aus, sondern behält seine Richtung bzw. Lage bei. Er fliegt sich also wie ein normaler Modellflughubschrauber ohne Stabilisierungseinheit. Die einzelnen Modi werden mittels Jumper am Controlboard ausgewählt und aktiviert. Leider kann man die entsprechenden Stellen auf dem Controllboard aufgrund der Verbundplatte später nicht mehr ganz so gut erreichen und ein Wechsel zwischen den Modi wird zur Geduldsprobe. Normalerweise stellt man jedoch alles nur einmal ein und genießt dann das Fliegen. Für Modellpiloten die öfter zwischen den Modi wechseln möchten, empfehle ich an den Jumperstellen von oben ein Loch in die Verbundplatte zu bohren, um diese zukünftig einfacher zu erreichen.

 

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Vor dem Erstflug sollte der obligatorische Reichweitentest durchgeführt werden - auch bei 2,4 GHz. Mit Gas auf Null und Gier ganz nach links werden die Motoren gestartet. Diese drehen sehr langsam hoch und laufen anschließend im "Standgas". Etwas mehr Gas und schon ist der Copter in der Luft und schwebt ausgesprochen stabil. Die Steuerung versucht konstant den Copter in der Waagerechten zu halten und steuert bei jeder Auslenkung wieder dagegen. Will man also in eine Richtung fliegen, muss man den Fernsteuerungstick auch in dieser Richtung halten. Dies ist auch das normale Verhalten eines Copters mit Level- oder auch ACC-Modus genannt. Im "Headholding"-Modus hingegen muss nur für eine Änderung aktiv gesteuert werden, ansonsten behält der Copter seine Lage bei und fliegt dementsprechend in diese Richtung

 

 

Der ACC-Modus funktioniert gut. Der Copter stellt sich relativ schnell wieder in die Neutrallage und bleibt dieser treu. Bei Windstille hält er seine Position relativ gut und driftet teilweise nur leicht ab. Bei mehr Wind schwingt bzw. driftet er jedoch langsam hin und her. Bei mittlerem bis stärkerem Wind verstärkt sich dieser Effekt und der Copter wird nicht nur vom Wind abgetrieben, was natürlich ohne GPS-Modul ganz normal ist, sondern benötigt auch wesentlich mehr Platz um sich zu stabilisieren. Er muss hier aktiv in der Position gehalten werden, damit er nicht ZU weit abdriftet. Dieser Effekt zeigt sich auch im "Headholding"-Modus. Der Copter sollte hier seine Lage bzw. Schräglage beibehalten. Leider macht er dies nicht und dreht teilweise in eine Richtung um die Roll- oder Nick-Achse weiter. Weiters kommt es mir so vor als würden auch im HH-Modus die Beschleunigungssensoren eingreifen, denn der Copter zeigt nach wie vor leichte Tendenzen, sich in die Neutrallage zu bewegen. Dies ist jedoch im HH-Modus ausdrücklich nicht gewünscht.

Der Drift im ACC- und HH-Modus lässt sich auf die Elektronik zurückführen. Die gesamte Elektronik inklusive Regler ist im Zentralrahmen mit Kunststoffhauben eingeschlossen. Die entstehende Abwärme der Regler heizt somit den Innenbereich auf. Die verwendeten Piezogyros haben jedoch einen erhöhten Temperaturdrift, der sich unter diesen Bedingungen verstärkt bemerkbar macht. Der Hersteller hätte hier auf die neue Generation der MEMS-Gyros zurückgreifen können, die wesentlich Temperatur unempfindlicher sind. Eine provisorische Abhilfe könnten ein paar Belüftungslöcher in den Abdeckungen sein.

Test: CONRAD ARF 650 QuadrocopterSchweben und ruhigen Rundflug beherrscht der Copter ganz gut, jedoch schnelles "Rumheizen" ist nur für absolute Profis zu empfehlen. Es scheint so, als würden die Beschleunigungssensoren nach ein paar Runden die Orientierung verlieren. Ich musste kurzzeitig fast bis zum Knüppelanschlag gegensteuern, um den Copter in der Neutrallage zu halten. Keine Sorge: Dieses Problem tritt tatsächlich nur bei schnellem Fliegen auf. Weiters zog der Copter bei Vollgas nicht senkrecht in die Höhe, sondern stieg schräg nach vorne auf.Normalerweise verfügen Copter über eine sogenannte interne Vollgasbeschränkung, damit auch bei vollem Knüppelausschlag noch die Lage geregelt werden kann. Dies scheint neue ARF 650 Quadrocopter von CONRAD zu fehlen oder eben nicht richtig zu funktionieren, was zum beschrieben Phänomen führt. Dieses Problem tritt jedoch nur bei Vollgas auf und ist bei normalem Rundflug meist nicht zu bemerken. Die elektrisch aufgenommene Leistung eines Motors liegt bei ca. 250 Watt (22A bei 11V), was einen ungefähren Schub von ca. 900 bis 1.000 Gramm pro Motor ergibt. Somit hat der Copter fast 4kg Schub bei 1.000 Watt. Der Copter hat mit einem 3S1p 2.200mAh 40C Lipo ein Gesamtgewicht von 1.100 Gramm und erreicht eine durchschnittliche Flugzeit (Schweben und Rundflug) von guten 9 Minuten. Mit einem größeren Akku sind natürlich wesentlich längere Flugzeiten machbar.

 

Mein Fazit:

Trotz einiger Kritikpunkte - der neue ARF 650 Quadrocopter von CONRAD schlägt sich gut im Test. Insgesamt hat der ARF 650 seine Stärke im Schweben und leichtem Rundflug. Zum hemmungslosen "Rumheizen" ist er nicht geeignet. Das Komplett-Set des Herstellers bietet Flugspass tatsächlich innerhalb weniger Augenblicke. Durch den klappbaren Rahmen lässt sich der Copter auch im kleinsten Kofferaum oder sogar auf dem Beifahrersitz zum Flugplatz transportieren. Meine Empfehlung an CONRAD: Ein Software-Update könnte die Ausrutscher im HH-Modus und in der Regelung ausbessern. Über die optionale Konfigurations-Software könnte jeder Modellpilot seinen ARF 650 Quadrocopter auf die eigenen Bedürfnisse einstellen. Leider ist diese Software noch nicht verfügbar. Alles in allem ist der neue ARF 650 Quadrocopter von CONRAD für Einsteiger eine sehr gute und preislich attraktive Wahl, Profis werden wohl eher zu anderen, aber auch wesentlich teureren Modellen greifen.

 

Technische Daten:

• Durchmesser ohne Rotoren: 650 mm
• Gesamthöhe ausgeklappt: 285 mm
• Gewicht: ca. 1.100 g inkl. Akku
• Max. Abfluggewicht: 2.000 g

 

Elektronische Daten:

• Versorgungsspannung: 9 bis 12 V
• Empfohlener Flugakku: 3S, 2.500 mAh, 25C
• Erforderliche Fernsteueranlage: 6 Kanäle

 

Leistungsdaten:

• Durchschnittliche Stromaufnahme pro Motor: ca. 7 bis 14 A
• Max. Strom pro Motor: ca. 19 A
• Schub pro Motor: max. 900 g

 

Was wird noch benötigt?

Für den Copter 650 ARF von Conrad benötigst du einen 6-Kanal-Sender und einen Empfänger. Der Hersteller empfiehlt einen 3S Lipo mit 2.500 mAh.

 

Wo kaufen?

Bezug: Online-Shop Conrad Electronic
Preis: 499,00 Euro (UVP)

 

 

 

 

Gut

• Günstiger Preis
• Hoher Vorfertigungsgrad
• Starke Motoren
• Üppige Zuladung

 

Weniger gut

• Ausrutscher im HH-Modus
• Keine Software zum Konfigurieren verfügbar

 

Kontaktdaten Hersteller:

Conrad Electronic SE
Klaus-Conrad-Str. 1
92240 Hirschau
Telefon: 0180/5312111
http://www.conrad.de

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (16 Bewertungen)

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