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Test: EPP-Wurfglider Mini-Viper als RC-Jet mit HACKER Antriebs-Combo

von Stephan Weinhard vom 24. November 2011
Artikel-ID: 20111124-FM-01 Rubrik: Flächenmodelle

Das Original der VIPER gehört sicherlich zu den elegantesten Jets am Himmel. Der Nachbau dieser Schönheit als Modell ist oft sehr kostenintensiv und aufwendig. Die Mini-Viper von HACKER kostet dagegen gerade mal 67 Euro. Das macht uns neugierig und Stephan Weinhard hat der HACKR Mini-Viper auf den Giftzahn gefühlt.

 

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Test: EPP-Wurfglider Mini-Viper als RC-Jet mit HACKER Antriebs-ComboEine VIPER als Modellflugzeug ist leider schon lange einer meiner unerfüllten Träume. Zeit- und natürlich aus Kostengründe spielen da eine wesentliche Rolle. Doch als ich auf der Suche nach einem Elektroantrieb auf der Homepage von HACKER (http://www.hacker-motor.com) über die neue Mini-Viper gestolpert bin, war die Entscheidung schnell gefällt und der Winzling mit einer Spannweite von knapp 400 Millimetern inklusive eines passenden Antriebs ohne langes Überlegen bestellt.

Auch mein Sohn war sofort Feuer und Flamme. Doch als ich seine Frage, ob dieser Flieger für ihn sei mit "Nein" beantworten musste, war seine Enttäuschung gross. Warum kauft sich der Papa einen Flieger mit einer Gummiflitsche?

Was ich aus dem Karton entnehme, ist eigentlich ein Freiflieger aus geschäumtem EPP des Herstellers PARITECH, der vermutlich für Kinder gedacht ist. Doch HACKER bietet passend dazu seit kurzen eine Combo an und macht aus dem Flitschenflieger ein waschechtes RC-Modell. Darin enthalten sind ein Hacker A10-12s, ein X-5 Pro Regler, eine Luftschraube in der Größe 4“x4“ und eine Stahlschraube der Größe M8, die als Trimmgewicht dienen soll. Die Bauanleitung, welche beschreibt wie aus diesen Teilen ein ferngesteuertes Flugmodell wird, gibt es als Download auf der Homepage von HACKER. Zwei Seiten mit einigen Bildern geben Auskunft darüber wie der Aufbau funktionieren soll.

Die Mini-Viper ist daher alles andere als ein ARF-Modell das mal eben aufgebaut wird. Modellbauerisches Geschick und etwas Erfahrung müssen tatsächlich vorhanden sein, um zum Erfolg zu kommen. Die Zubehörteile für die Anlenkungen liegen nicht bei und müssen in Eigenregie entweder selbst erstellt oder dazugekauft werden. Um das Gewicht auf minimalem Niveau zu halten, kommt das Modell übrigens ganz ohne Seitenruder aus. Die HACKER Mini-Viper ist also eine willkommene Herausforderung für die länger werdenden Abende.

 

Aufbau und Montage

Alles beginnt damit den Rumpf in seine Bestandteile zu zerlegen, dabei wird das Heck halb abgeschnitten. Danach wird der Rumpf mit einem Dremel ausgehöhlt, um Platz für die Höhen- und Querruderanlenkung, sowie für den Regler zu schaffen. Dabei gilt höchste Vorsicht, um die Außenhaut nicht versehentlich zu durchbohren. Die Anleitung sieht vor, dass die Ruderanlenkung des Höhen- und der Querruder mit einer Torsionsanlenkung aufgebaut werden soll. Auch die dafür benötigten Teile sind nicht im Lieferumfang enthalten und stammen aus meinem Fundus. Etwas Bowdenzugrohr und ein 1 Millimeter starker Stahldraht werden benötigt. Zuerst werden die Seiten der Ruderflächen am Höhenruder ausgeschnitten und die Beweglichkeit durch leichtes biegen sichergestellt. Anschließend werden die benötigten Stahldrähte exakt passend gebogen und die Bowdenzugröhrchen auf der Oberfläche in kleine Schlitze mit Sekundenkleber eingeklebt. Der Stahldraht wird an der Ruderfläche mit etwas Sekundenkleber befestigt und hält somit allen Belastungen stand.

Test: EPP-Wurfglider Mini-Viper als RC-Jet mit HACKER Antriebs-ComboDa das Servo für das Höhenruder aus Gründen des Schwerpunkts unter der Kabinenhaube sitzt, wird zusätzlich eine Anlenkstange benötigt. Ich habe dazu ein Stück CFK-Stab mit einem Durchmesser von 1,5 Millimetern genommen. Die Verbindung zwischen den Gestängen und dem Servo wird mit einen Scharnier aus Schrumpfschlauch hergestellt, analog wie man es vom Bau eines Shocky her kennt. Auch die benötigten Servos stammen aus meinem Fundus. Dabei gilt: Je kleiner, desto leichter und desto besser für das Modell. Ich hatte noch ein 4-Gramm-Servo vom Typ FS 30 von robbe für das Höhenruder und ein 6-Gramm-Servo von Jamara für das Querruder zur Verfügung. Die Servos habe ich, wie ich es bei geschäumten Modellen immer mache, mit Heisskleber befestigt. Diese Verbindung ist sehr sicher und für den Anspruch des Modells vollkommen ausreichend. Ein weiterer Vorteil dieser Art der Befestigung: Sollte die Mini-Viper tatsächlich doch mal das Zeitliche segnen, lässt sich der Heisskleber problemlos wieder von den Servos entfernen.

Akku und Empfänger finden ebenfalls unter der Kabinenhaube ihren Platz. Auch da muss kräftig "gedremelt" werden um ausreichend Platz zu schaffen und damit die Kabinenhaube nachher auch wieder montiert werden kann.

Ist die Anlenkung fertig wird das Höhenruder einfach mit Sekundenkleber im Rumpf dauerhaft festgeklebt. Anschließend geht es an die Tragflächen. Der Aufbau der Ruderanlenkung ist analog zu der Anlenkung am Höhenruder: Auch hier kommt eine  Torsionsanlenkungen zum Einsatz, die aus einem Stahldraht gebogen wird. Dann wird die gesamte Einheit mit etwas Sekundenkleber verklebt. Die Verbindungsgestänge zwischen Anlenkstange und Servo wird wieder mit Hilfe der bewährtem Schrumpfschlauchtechnik durchgeführt.

Das 6-Gramm-Servo von JAMARA für die beiden Querruder wird jetzt in die Fläche eingeklebt. Um dafür Platz zu schaffen, muss auch dazu natürlich wieder der Dremel herhalten. Passt alles und sind die Anlenkungen exakt eingestellt, sichere ich den Schrumpfschlauch  mit einem Tropfen Sekundenkleber am Gestänge, denn die Anlenkung ist später nicht mehr zu erreichen, ohne das Modell zu zerstören.

Wie bereits beschrieben, finden natürlich auch Akku und Empfänger ihren Platz unter Kabinenhaube. Damit alle Komponenten in den Rumpf passen und die Kabinenhaube später zum Flug wieder montiert werden kann, kommt auch hier - genau - der Dremel zum Einsatz. Die Kabinenhaube wird bei meiner Mini-Viper von drei kleinen Neodym Magneten gehalten. Damit sollte es zu keinem Zeitpunkt ein Problem geben und die Haube wird immer sicher gehalten.

Bevor nun die Tragfläche an den Rumpf geklebt werden kann, muss noch der HACKER Motor eingebaut werden. Laut Bauanleitung wird der Motorhalter aus einem Stück der Blister-Packung des Motors und einem der beiliegenden Montagekreuze gebastelt, denn das runde Stück der Verpackung passt tatsächlich ziemlich genau über das Heck der Mini-Viper. Nach der Befestigung des Motors am selbst gebauten Motorträger ,wird die ganze Einheit mit Sekundenkleber fest am Rumpf verklebt. Für die Zuleitungen an den Motor wird dann in das Heck noch ein kleines Loch gebohrt und der Regler im inneren des Rumpfes montiert.

Bei jedem Schritt gilt es genau zu bedenken, ob das alles funktioniert und die Rudergestänge noch freigängig sind. Wenn das Modell erst einmal zusammengeklebt wurde, gibt es keine Chance mehr später noch etwas zu reparieren oder zu verändern.

Trotz der informativen Bauanleitung von HACKER sollte für den Aufbau deutliche Modellbau-Erfahrung vorhanden sein. Ohne eigene Kreativität kommt man sonst nicht an sein Ziel. Aber der Aufbau macht viel Spaß und ist in 4 bis 5 Stunden zu schaffen. Die Angaben aus der Anleitung zum Schwerpunkt passen sehr gut. Auch der vorgegeben Ruderausschlag für das Höhenruder ist gut gewählt. Nur für die Querruder habe ich jedoch entgegen der Empfehlung des Hersteller deutlich mehr Ausschlag einprogrammiert, da sonst der Start nicht gelingen will. Dazu aber später mehr.

Der Gang zur Waage bringt ein Gewicht des flugfertigen Modells von 155 Gramm zu Tage. Um den angegeben Schwerpunkt einzuhalten, sind insgesamt noch 5 Gramm Blei vorne notwendig. Auch mein Sohn war, nachdem er das fertige Ergebnis eingehend bewundern durfte, wieder mit mir versöhnt. "Papa, der sieht echt geil aus", war von ihm zu hören. Auch wenn ich über seine Wortwahl nicht ganz glücklich war, so musste ich ihm doch zustimmen!

 

Der Antrieb

Der kleine Brushless-Motor A10-12s mit der 4“x4“ Luftschraube und dem "X-5 pro"-Regler ist ein Antriebset, das für 2S Lipo-Akkus konzipiert ist. Der maximale Standstrom bei vollgeladenem Akku beträgt ziemlich genau 6 Ampere. Das ergibt eine maximale Leistungsaufnahme von knapp 50 Watt, was der Mini-Viper zu ordentliche Flugleistungen verhilft. Ich habe einen 2S Lipo mit einer Kapazität von 450 mAh aus meinem Fundus verwendet. Dieser passt gerade noch so unter die Kabinenhaube. Mit dieser Kapazitäts-Grösse werden Flugzeiten von ca. 6 Minuten erreicht. Das Antrieb-Set ist natürlich nicht speziell für die Mini-Viper entwickelt worden, passt aber prima zu dem kleinen Modell und funktioniert - HACKER-typisch - ganz ausgezeichnet.

 

"Test: EPP-Wurfglider Mini-Viper als RC-Jet mit HACKER Antriebs-ComboGentlemen, start your Engine"

Auch wenn ich viel Zeit und Geduld in den Aufbau der Mini-Viper investiert habe, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden und freue mich schon auf den Erstflug. Das ruhige Herbstwetter ist dafür nahezu ideal, da der 150 Gramm leichte Mini-Jet kein Modell für windige Tage ist.

Ich nehme es gleich vorweg, die Mini-Viper ist nichts für Einsteiger oder fortgeschrittene Einsteiger oder für jemanden mit schwachen Nerven. Dieser kleine "Giftzwerg" mit seiner recht hohen Flächenbelastung, will durch seinen Piloten aktiv geflogen werden. Der Start ist dabei schon recht kritisch. Meine ersten beiden Startversuche waren dann auch schon gleich Misserfolge. Laut Empfehlung des Herstellers, soll das Modell soll bei 3/4 Gas leicht schräg nach oben geworfen werden. Dabei dreht die Viper auf Grund des Drehmoments jedoch schlagartig nach links auf den Rücken und war nicht mit den Querrudern zu halten. Wegen des geringen Gewichts hat, dieser Fehlstart zum Glück keine ernsten Folgen hinterlassen. Die leicht geknautschte Nase lässt sich mit heißem Wasser EPP-typisch wieder richten. Also habe ich die Ruderausschläge des Querruders maximal vergrößert. Dadurch sind Ausschläge von 6 bis 7 Millimeter nach oben und unten möglich.

Der nächste Startversuch mit modifizierten Querruderausschlägen erfolgt dann mit fast Vollgas und voll Querruder rechts. Erst dann zieht sie los und hält ihre Fluglage. Mit steigender Fluggeschwindigkeit beginnt sie dann langsam nach rechts zu rollen und ich kann das Querruder merklich neutralisieren. In der Luft verhält sie sich hingegen sehr brav und folgt extrem gut meinen Steuerbefehlen. Ein bisschen Tiefenrudertrimmung und die HACKER Mini-Viper ist in ihrem Element. Sie zieht zuverlässig ihre Bahnen. Allerdings darf sie keinesfalls zu langsam werden. Reist die Strömung, ab kippt das Modell wieder unvermittelt über die Fläche ab und verliert dabei enorm an Höhe. Hier ist also Vorsicht geboten.

Die Fluggeschwindigkeit ist für so ein kleines Modell extrem schnell und man muss sie scharf im Auge behalten, um sie nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Steigflüge in einem Winkel von 45° sind problemlos möglich. Endlos senkrecht nach oben geht sie jedoch nicht. Es macht einen reisen Spaß diesen Floh großräumig über den Platz zu scheuchen, dabei erregt er immer wieder das Aufsehen meiner Zuschauer. Die Mini-Viper ist eben ein echter „Hingucker“.

Leichte Kunstflugmanöver wie Rollen oder Loops sind durchaus möglich und machen der HACKER Mini-Viper sichtlich viel Spass. Für enge Flugmanöver oder gar einem Einsatz in der Halle ist das Modell nicht geeignet. Übrigens: Für die Landung gilt das Gleiche wie für alle anderen Manöver auch. "Nur nicht zu langsam"! Mit etwas Speed anfliegen kurz über dem Boden Motor aus und ab in die Wiese. Wird sie zu langsam kippt sie wieder ab und schlägt mit Sicherheit ein Rad. Mit der Viper wird es also nie langweilig. Sie erfordert einen erfahrenen Piloten am Knüppel. Aber gerade diese Features machen sie so interessant.

 

Fazit

Die Mini-Viper von HACKER ist ein Modell für erfahrene Piloten, die etwas außergewöhnliches zu kleinem Budget suchen und den Bauaufwand nicht scheuen. Mit etwas Zeit und Mühe erhält man nach max. 5 Stunden Bau ein nicht alltägliches Modell mit herausfordernden, aber dennoch guten Flugeigenschaften. Wer die Mini-Viper mit zum Platz bringt wird sicher ein "Ah und Oh" von den Vereinkollegen erhalten.  Ich habe jedenfalls meinen Spaß an der Mini Viper, die man quasi immer dabei haben kann.

 

 

 

Technische Daten:

• Spannweite: ca. 395mm
• Länge mit Antrieb: ca. 415mm
• Gewicht mit Antrieb und Akku: ca. 95-120 Gramm

 

Der Lieferumfang beinhaltet:

• 1x Mini Viper
• 1x A10-12S
• 1x X-5-Pro
• 1x GWS 4x4

 

 

Wo kaufen?

Bezug: Fachhandel oder direkt bei HACKER
Preis: 67,00 Euro
Verfügbar: sofort

 

 

 

 

 

Gut

• Niedriger Preis
• Gute Bauanleitung
• Super Flugbild
• Qualitativ hochwertiger Antrieb

 

Weniger gut

• Hoher Bauaufwand
• Nur an erfahrene Piloten zu empfehlen

 

Kontaktdaten Hersteller:

Hacker Motor GmbH
Schinderstrassl 32
84030 Ergolding
Telefon: +49871/953628-0
Fax: +49871/953628-29
Internet: http://www.hacker-motor.com

 

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (5 Bewertungen)

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