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Test: KYOSHO aiRium EDGE 540 VE29

von Stephan Weinhard vom 11. April 2011
Artikel-ID: 20110411-FM-01 Rubrik: Flächenmodelle

Mit überragenden Flugeigenschaften und unerreichter Detailtreue bewirbt KYOSHO seine aiRium-Serie. So auch sein neustes Modell: Die Edge 540 VE29, welche auf der Spielwarenmesse in Nürnberg bereits ihre Premiere feiern durfte. Bei der aiRium Edge handelt es sich um eine Art „Hybridmodell“: Sie hat die Größe eines Shocky, aber das Aussehen eines richtigen Flugmodells, das gleichermaßen für den Indoor- wie Outdooreinsatz geeignet sein soll.

Test: KYOSHO aiRium EDGE 540Shockies gehören nicht gerade zu meinen Lieblingsmodellen, da ich deren Aussehen nicht sonderlich attraktiv finde. Gerade aus diesem Grunde hat mich die Scale-Edge mit 700 Millimetern Spannweite und einem Abfluggewicht von 320 Gramm neugierig gemacht. Sie vereint auf den ersten Blick meine Vorstellungen eines Flugmodells für drinnen und draußen. Dieser Test soll klären ob KYOSHO mit der Edge 540 VE29 den selbst gesetzten Ansprüchen gerecht werden kann.

Als Testmodell habe ich die ARF-Version gewählt. Das Modell muss also noch durch einen eigenen Empfänger mit mindestens 4 Kanälen und den dazugehörigen Sender ergänzt werden. Ebenso wird ein LiPo-Akku in der Größe 2S bis maximal 800 mAh benötigt. Alle anderen Teile für den flugfertigen Aufbau des Modells sind im Baukasten enthalten. Die mehrsprachige Anleitung ist mit reichlich Bildern ausgestattet und lässt keine Fragen offen. Lediglich zu den sonst üblichen Angaben bzgl. Schwerpunkt und Ruderausschlägen schweigt die Anleitung.

Da meine kleine Edge ein Kunstflugmodell ist und die Ruderausschläge durch die mechanischen Vorgaben bereits begrenzt sind, stelle ich an meinem Sender die maximal möglichen Ausschläge ein. Der Schwerpunkt ergibt sich durch die vorgegebene Position des Akkus automatisch. KYOSHO verwendet für seine aiRium-Modelle ein schlagzähes Polyollefin, welches den Eigenschaften von EPP sehr ähnelt. Dennoch ist die Oberflächenstruktur des Materials sehr fein und schon aus sehr kurzer Distanz lassen sich Gene der „Schaumwaffel“ nicht mehr erkennen. Diese feine und detaillierte Oberfläche gleicht fast dem eines Voll-GFK Modells und unterstreicht noch einmal den tollen Scale-Charakter.

Angeboten wird die Edge über den Fachhandel für 169,00 Euro UVP. Alle Teile machen wirklich einen sehr hochwertigen Eindruck mit schönen Scale-Details und einer leuchtend orangen Lackierung. Das Dekor ist bereits auf Rumpf und Fläche aufgebracht. Die einteilig profilierte Tragfläche wird mit einer Nylonschraube von oben auf dem Rumpf montiert und passt perfekt in die dafür vorgesehene Öffnung. Für den Transport kann so die Fläche problemlos und schnell demontiert werden. Das verringert das ohnehin schon geringe Packmaß noch einmal deutlich und macht die Edge zu einem überall dabei Modell.

Test: KYOSHO aiRium EDGE 540Neben dem reinen Modell legt KYOSHO einen Ersatzpropeller, einen zusätzlichen Spinner, sowie einen Schraubenschlüssel und einen Schraubendreher bei. Die Optik der Edge orientiert sich tatsächlich sehr am Original. In dieser Grösse habe ich noch nichts Besseres in Bezug auf die Originaltreue zum manntragenden Vorbild gesehen. Ich bin begeistert!

Vergleicht man die Maße und den Aufbau des Modells mit denen des Originals, erkennt man, dass sich der Hersteller hier wirklich Mühe gegeben hat, dem Original möglichst nahe zu kommen.

 

 

Aufbau und Montage

Von "echtem Modellbau" kann man bei der aiRium Edge wirklich nicht mehr sprechen. Selbst der Begriff Montage trifft bei diesem Modell schon eigentlich nicht mehr zu. Die Edge kommt im Grunde fertig aufgebaut daher. Höhen und Seitenruder sind im Rumpf verklebt. Alle Servos sind montiert und die Ruder sind bereits betriebsfertig angelenkt. Es gilt noch die beiden Fahrwerksbügel mit je einer Schraube zu befestigen, den Empfänger an die vorgesehen Stelle einzusetzen und die Servos und den Steller entsprechend einzustecken. Abschließend noch die bereits fertige Tragfläche am Rumpf verschrauben.

Test: KYOSHO aiRium EDGE 540Der Antrieb ist betriebsfertig angeschlossen, sogar Luftschraube und Spinner sind am Modell montiert. Die Motormontage selbst ist vom Hersteller gut durchdacht: Nach dem Abnehmen der Luftschraube kann die Motorhaube mit 4 kleinen Schräubchen demontiert werden und der freie Zugang zum Motor ist möglich. Das ist sehr wartungs- und vor allen Dingen reparaturfreundlich.

Der aufwendigste Arbeitsschritt im Aufbau ist die Programmierung des Senders und selbst das ist nach gut 5 Minuten erledigt. Alles in allem geht`s schneller als das Laden des Lipos für den Erstflug und tatsächlich: So schnell bin ich wirklich noch nie zu einem Jungfernflug gekommen!

Die möglichen Ruderausschläge an Seiten-, Höhen-, und Querruder sind mechanisch begrenzt und nicht sonderlich groß. An echten 3D-Kunstflug ist mit den Ausschlägen jedenfalls nicht zu denken. Die Querruder werden von einem zentralen Servo betätigt. Der mechanische Aufbau der Querruderanlenkung führt zu einer recht starken Ruderdifferenzierung, was auch Auswirkungen auf die Flugeigenschaften hat, doch dazu später mehr. 

Alle Servos sind vom Type "Perfex KS-21" von KYOSHO, die ihren Dienst ohne Probleme verrichten. Der Platz für den Flugakku ist sehr begrenzt, er lässt sich im dafür vorgesehenen Schacht nur in sehr geringen Grenzen verschieben. Der Schwerpunkt stellt sich dadurch aber optimal ein. Nach der endgültigen Montage kommt der obligatorische Gang zur Waage. Das Modell hält, was KYOSHO verspricht: Das Gewicht pendelt sich mit einem 2S 450 mAh Lipo-Akku bei exakt 300 Gramm ein. Bei Verwendung eines 800 mAh 2s Akku sind es dann gerade mal 20 Gramm mehr.

 

Antrieb

Als Antrieb kommt - wie bereits bei anderen aiRium-Modellen - der KYOSHO Brushless-Motor "AF400 BLS B/07/15" in Kombination mit dem "Sky Victory BLS10 Regler" zum Einsatz. Dieser Antriebslösung dreht eine Luftschraube in der Dimension ca. 7“x6“. Die Antriebseinheit ist, wie alle anderen Komponenten auch, absolut betriebsfertig montiert. Gemeinsam mit dem empfohlenen 2S 450 mAh LiPo kann mich diese Kombination jedoch nicht wirklich überzeugen. Senkrechtes steigen ist mit dieser Lösung nicht annähernd möglich und somit klassischer Kunstflug nur mit Einschränkungen machbar. Die Manöver müssen schon durchdacht sein, um nicht mittendrin zu verhungern.

Nach Rücksprache mit KYOSHO habe ich testweise einen 3S Akku - ebenfalls mit 450 mAh - verwendet. Dieser passt gerade noch so in den Akkuschacht. Der maximale Strom bei Vollgas stellt sich dann bei ca. 10 A ein. Das ist zwar an der Grenze der Strombelastung des Reglers und der verwendeten BEC Stecker, aber in der Praxis stecken das beide gut weg. Weder der Regler und die Steckverbindung, noch der Motor erwärmt sich beim Einsatz von 3S Lipos über Gebühr. Das Verhalten des Antriebs verändert sich aber durch den neuen Kraftspender kolossal. Die Edge ist nicht wieder zu erkennen, da geht die Post ab.

Jetzt gefällt mir die Motorisierung wirklich gut. Sie unterstreicht den Charakter des Modells. Die Flugzeit mit von KYOSHO empfohlenen 2S Lipo-Akku liegt bei ca. 5 Minuten. Mit dem 3S 450 mAh Lipo etwas kürzer.

 

Flugeigenschaften

Wie schon anfangs erwähnt, ist die Zeitspanne zwischen öffnen des Kartons und den ersten Flugversuchen gerade mal so lange wie das Laden des Lipo-Akkus. Das Einfliegen 320 Gramm Flohs habe ich bei recht windstillen Bedingungen nach draußen verlegt. Das Gewicht des Modells und der relativ geringe Tragflächeninhalt ließen eine verhältnismäßig hohe Grundgeschwindkeit erwarten, was  sich dann beim Einfliegen auch bestätigt hat: Die aiRium Edge will flott bewegt werden.

Das Fahrwerk mit den kleinen Rädern und den montierten Radschuhen ist auf einem Rasenplatz nur eingeschränkt einsetzbar. Da es aber robust aufgebaut ist, verdaut es so manche raue Rasenlandungen klaglos. Ein Start aus der Hand ist mit der vorhandenen Motorleistung kein Problem. Die Edge kann bei Vollgas mit der Nase leicht nach oben geschubst werden und beschleunigt ohne Tendenz zu, Ausbrechen. Auf einer Hartpiste ist die Kleine nach 5 bis 6 Metern in ihrem Element.

Test: KYOSHO aiRium EDGE 540Wie erwähnt ist die Grundgeschwindigkeit aufgrund des Gewichts und des recht begrenzten Flächeninhaltes deutlich höher, als bei einem Shocky. In der Halle sind diese Flugeigenschaften nur mit extremen Reflexen zu beherrschen, daher habe ich von dem Versuch in einer Sporthalle zu fliegen doch lieber Abstand genommen. Die Wirkung des Höhenruders ist gut und sollte durch Expo etwas entschärft werden. Alle anderen Ruder fliege ich ohne Expo.

Die Domäne der aiRium Edge von KYOSHO ist schöner Rundflug mit einigen klassische Kunstflugfiguren. 3D-Kunstflug ist nicht wirklich möglich, dazu reichen weder die Ruderausschläge noch die Motorleistung bei 2S. Mit einem 3S Lipo ist zwar ordentlich Motorleistung vorhanden, aber die aerodynamische Auslegung und das Gewicht der Edge ist nun mal nicht für 3D ausgelegt. Die eingebauten Servos und Anlenkungen lassen nur begrenzte Ruderausschläge zu.

Messerflug gelingt ganz ordentlich, auch wenn der Rumpf nicht sehr stark trägt. Das Modell neigt dazu, etwas auf Tiefe wegzutauchen. Von daher muss der Messerflug schon deutlich ausgesteuert werden. Der Schwerpunkt erwies sich als gut eingestellt und kann 1:1 übernommen werden. Gleiches gilt auch für den  vorgegeben Seitenzug und Motorsturz. Hier bleibt alles so wie es vom Hersteller ausliefert wird. Strömungsabriss droht erst bei recht geringer Geschwindigkeit. Kommt die Edge an diese Grenze, dann kippt sie über eine Fläche ab und holt mit einer kurze Trudelbewegung wieder fahrt auf. Dieses Verhalten ist nicht extrem kritisch, erfordert aber doch Aufmerksamkeit des Piloten.

Wie bereits erwähnt, führt der mechanische Aufbau der Querruderanlenkung mit einem Zentralservo und den zweifach geknickten Rudergestängen zu einer starken Ruderdifferenzierung. Das hat zur Folge, dass die Edge keine sauberen Rollen fliegt, sondern eine Art Fassrolle an den Himmel legt. Zum Glück ist der Effekte nicht extrem ausgeprägt, wäre für ein klassisches Kunstflugmodell auch nicht sehr schön. Das Fluggefühl an windstillen Tagen ist sehr direkt, man hat das Gefühl die Edge jederzeit kontrollieren zu können, was mir persönlich sehr gefällt.

Die Edge möchte geführt werden und vertraut auf die Fähigkeiten des Modellpiloten. Dabei ist das Modell super wendig und macht enorm viel Spaß. Den Einsatz in geschlossenen Räumen sollte man sich zweimal überlegen. Selbst erfahrene Hallenpiloten mit sehr guten Reflexen werden schnell an ihre Grenzen stoßen. Die aiRium Edge ist ein Echter echter immer dabei Flieger mit Schwerpunkt "Outdoor-Einsatz"!

 

Mein Fazit:

Der Hersteller KYOSHO hat mit seiner neuen Edge540 ein wunderschönes Modell entwickelt, welches vor allem Outdoor viel Freude bereitet. Die Komponenten sind von KYOSHO bestens gewählt und passen abgestimmt zum Modell. Lediglich die Auslegung mit dem 2S-Lipo ist in meinen Augen etwas zu kraftlos für einen "Kunstflugboliden". Hier kann aber Abhilfe durch einen entsprechend 3S Lipo-Akku geschaffen werden. Darüber hinaus begeistert natürlich das Design und Aussehen der Edge nicht nur die Scale-Enthusiasten. Die Flugeigenschaften sind sehr ordentlich und erlauben auch einfachen klassischen Kunstflug. Der Einsatz eines 3S Lipo erhöht den Spaßfaktor, verkürzt aber etwas die Flugzeit. Die KYOSHO Edge ist von erfahrenen Piloten sehr gut zu beherrschen und bereitet viel Spaß. Das Modell  wird einen Stammplatz im meinem Kofferraum haben!

 

Technische Daten:

• Spannweite: 700 mm
• Länge: 600  mm
• Gewicht: ca. 320 g
• Gesamtflächeninhalt ca.8,3 dm²
• Flächenbelastung 38,5 g/dm²
• Empfohlener Akku: 2S 450 mAh Lipo

 

Gut

• Extrem hoher Vorfertigungsgrad
• Gut abgestimmt Komponenten
• Sehr kleines Packmaß
• Tolles Scale-Design

Weniger gut

• Sehr eingeschränkte Hallentauglichkeit
• Kein 3D Kunstflug möglich
• Unglückliche Anlenkungsgeometrie am Querruder

 

Über den Autor

Stephan Weinhard ist 46 Jahre alt und von Beruf Ingenieur für Elektrotechnik mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Modellbau ist eine Leidenschaft die ihn schon als Jugendlicher begleitete. Nach einigen Pausen packte ihn vor ca. 7 Jahren das Thema sehr intensiv: Seitdem betreibt er hauptsächlich 3D-Kunstflug mit großen Modellen. Er besitzt drei Voll-GfK Modelle von Compsite ARF und Modell-Compsite und einige klassische Sperrholz/Balsa Konstruktionen. Aber auch alle anderen Sparten der Flächenflugmodelle sind ihm nicht fremd. Seit kurzem fliegt Stephan auch Hubschrauber.

 

 

Wo kaufen?

Über Fachhandel
Preis: 169,00 Euro (UVP).

 

Kontaktdaten Hersteller:

Kyosho

KYOSHO Deutschland GmbH
Nikolaus-Otto-Straße 4
24568 Kaltenkirchen
Telefon: +49 4191 / 932678
Internet: http://www.kyosho.de

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (8 Bewertungen)

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